Welpenblues??

Wie erziehe ich meinen Welpen?
Rohana
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Welpenblues??

Beitrag von Rohana » Mi Aug 08, 2018 9:46 pm

Diese Idee vom 'Welpenblues' fand ich spannend, wollte mit dem Einzelaspekt aber nicht Eelmos Thread sprengen und hab das Zitat daher mal hierhin mitgenommen.
Koller hat geschrieben:
Mi Aug 08, 2018 8:29 pm
Isi hat geschrieben:
Mi Aug 08, 2018 8:30 am

Ich möchte auch noch ein anderes Wort einbringen, den sogenannten Welpenblues: Kommt immer wieder vor, dass sich Menschen unglaublich doll auf ihren Hund freuen - und dann übersteigerte Erwartungen entwickeln, die quasi enttäuscht werden "müssen". Dann sitzt man hart auf dem Boden der Tatsachen, statt in der wolkigen Vorfreude auf das Leben mit Hund.
Es ist vollkommen ok, hier ehrlich zu sich zu sein und sich ggf. auch einzugestehen, gestehen zu müssen, dass man sich falsche Vorstellungen vom Leben mit Hund gemacht hat!
Aber in den meisten Fällen renkt es sich wieder ein, weil/wenn man von seinen Erwartungen runterkommt und sich dem Hier & Jetzt widmet. Ihr könnt euch von der Welpenstundentrainerin helfen lassen und mit ihr die Situationen durchsprechen, die aus eurer Sicht so schief laufen.
Vielleicht gelingt es euch den Blick auf das zu richten, was ihr tun könnt, damit Elmo sich besser in euer Leben einfügt (statt wie jetzt den Blick eher auf dem zu haben, was nicht klappt).
Den Aspekt vom Welpenblues finde ich ganz wichtig. So wie ich es bis jetzt überall erlebt habe, war dies vor allem beim 1. eigenen Hund der Fall. Denn man hat so schöne Vorstellungen und dann kommt dieses unbekannte Wesen und stellt den kompletten Alltag auf den Kopf. Man kann kaum mehr etwas unternehmen und ist völlig blockiert durch dieses Vierbeinige Ding, an das man noch überhaupt nicht gewöhnt ist. Beim 2. Hund ist ja dann der Alltag schon viele Jahre auf den Hund eingestellt und da ändert sich nicht mehr viel und vor allem weiss man halt schon viel mehr wie reagieren und vor allem, was es bedeutet, einen Welpen zu haben. Das nehmen dann die meisten viel lockerer. Sogar meine Schwester, die mit mir zusammen mit Hunden aufgewachsen ist, hatte richtig Probleme mit der Umstellung, als sie sich jetzt mit 45 an das Leben mit einem Hund gewöhnen musste. Und es war kein Welpe. Sie machte sich auch oft Gedanken, ob es wohl wirklich das Richtige war. Das geht wirklich sooooooo.... vielen Leuten so.
Ich wollte mal so in die Runde fragen: war das bei Euch so, dass Euch der Welpenblues erwischt hat? War es tatsächlich bei Eurem 1. eigenen Hund so? Oder bei einem anderen? Und woran hat es da wohl gelegen?

Und ich erzähl auch gleich mal, weshalb ich Deine These so spannend finde, Corinne: bei mir war es ganz anders :mrgreen: .
Meinen ersten eigenen Hund hab ich bekommen kaum dass ich mein Studium hier begonnen hatte. Der Hund war als Tierschutzfall zu meinen Eltern gekommen und nach einigen Monaten zeigte sich, dass sie nicht mit ihm klar kamen. Ich hatte inzwischen eine Kommilitonin kennen gelernt, die selbst zwei Hunde hatte. Und so dachte ich 'was sie mit zweien schafft, sollte ich mit einem auch hinkriegen'. Also: Mitbewohner und Hauswirt gefragt und den Hunde geholt. Und ich hab mir damals da gar nicht groß Gedanken gemacht. Der Hund wurde einfach in den Alltag integriert. Wenn es mal zeitlich gar nicht passte blieb der Hund bei irgendjemandem im AStA, oder irgendwer hatte eine Freistunde und ging mit Sam in den Pfälzer Wald direkt hinter der Uni. Der Hund lernte allerlei WGs, Partys, Kneipen,... kennen, war immer mit dabei. Seine Macken wurden irgendwie toleriert und es hieß 'der hat halt Charakter'. Aber ich machte mir keinen großen Streß um Erziehung, etc.

Mein nächster eigener Hund war Joker, Tochter der Setterhündin meines Freundes, mit dem ich inzwischen zusammenwohnte. Mir quasi in die Hand geboren - mein Seelenhund. Da gab es nie Unsicherheit, nie großartig Streß.

Ich hatte so etwas wie den von Dir beschriebenen Welpenblues erst als Padge zu uns kam. Denn unsere beiden Settermädchen waren einfach so richtige Herzenshunde gewesen. Für Jagdhunde mit bemerkenswert wenig Jagdtrieb, leicht erziehbar, zu jedermann und jederhund freundlich. Echte Selbstläufer, totale Glücksfälle. Und dann kam Padge. Er war damals ca. 4 - 6 Monate alt und sah zum Klauen goldig aus. Und in der ersten Zeit benahm er sich auch so wie erwartet. Aber dann kam mehr und mehr der hemmungslose Jagdtrieb raus. Und mit der Pubertät kam die Leinenaggression. Und seine sozialen Unsicherheiten und Macken kamen immer mehr zum Vorschein. Das war so ganz anders als ich es kannte und erwartet hatte. - Da hab ich sehr lang gebraucht bis ich mich mit ihm zusammengerauft hab. Wir hatten einen steinigen und sehr intensiven Weg zu gehen. Aber das hat uns auch zusammengeschweißt und irgendwann war auch er ganz 'mein Hund' - so wie er war, mit all seinen Macken, mit seinem ganzen Charakter.

Und nun bin ich gespannt wie das bei Euch war mit dem Welpenblues....
Liebe Grüße von
Christiane, Padge und Kaba

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Gero
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Re: Welpenblues??

Beitrag von Gero » Do Aug 09, 2018 4:35 am

Mein Welpenblues begann als ich Gero kriegte.

Ich hatte vor Gero ja schon mehrere Hunde und immer waren sie leicht erzieh- und führbar - erzogen im lebhaften, hundeüberfüllten Berlin.
Nur Nina wich etwas ab - ab dem Zeitpunkt ihrer ersten Läufigkeit, aber sie war auch meine einzige Hündin.

Ich war durch Saschas Tod seelisch sehr angeschlagen und Männe wollte mir helfen/eine Freude machen um meine Trauer zu überwinden.
Wir sahen Gero im Internet und Männe zahlte ihn sofort an (weil ich gesagt hatte der gefiele mir) und vereinbarte dass wir den Hund am WE abholen.

Ich geb zu, trotz Trauer um Sascha freute ich mich auf den Welpen. Und mir war auch bewußt dass jeder Welpe erstmal Unruhe bringt und erzogen werden muß und dabei anders ist als jeder Andere.
Ich war also nicht blauäugig bei der Sache - aber dann zeigte sich Gero SO VÖLLIG ANDERS als jeder Hund den ich vorher gekannt/gehabt hatte :shock:

Wir - nicht nur ich - hatten massive Schwierigkeiten mit ihm - er zeigte überhaupt keinen Folgetrieb, in der ersten Zeit lief er ohne Leine einfach los.
War aber gleichzeitig in der Anfangszeit extrem verunsichert, er kannte NICHTS, keinen Vogelgesang, kein Blätterrauschen, keine fremden Menschen - kurz er traute sich einerseits überhaupt nichts und lief trotzdem wenn er ohne Leine war "kilometerweit" weg.

Stubenrein war er nach ca. 14 Tagen, aber ansonsten gestaltete sich seine Erziehung für mich extrem schwierig - mehr als einmal hab ich hier im Forum rumgeheult - konnte den Kerl aber trotzdem nicht wieder abgeben.
Der Gedanke er käme dann womöglich zu Leuten die weniger Geduld als ich hätten und ihn dann vielleicht schlagen würden war mir furchtbar.
Ich fing an den doofen Querkopf sehr zu lieben und war mir sicher "wir schaffen das!"

Also quälten wir uns durch seine ersten beiden Jahre - mit viel Schmerzen und Verletzungen bei mir und viel Frust bei uns Beiden.
Es blieb anscheinend zu wenig meiner Erziehungsarbeit bei ihm hängen - ich (und teilweise sogar unsere TÄ) hielt ihn für hyperaktiv.

Letztes Jahr gingen wir zur Bioresonanztherapie und die öffnete die Tür zu seinem wirklichen Wesen/Verhalten!

Er veränderte sich fast schlagartig sehr und zeigt sich seitdem sehr anders als vorher. Zum großen Teil Schuld an seiner "Schwererziehbarkeit" trug eine Schwermetallvergiftung die ihm ins Gehirn gedrungen war.

Ich bin froh durchgehalten zu haben, ich habe nun einen tollen Hund (nur an seiner Jagdleidenschaft müssen wir jetzt nach der Kastration neu arbeiten) und er bereichert unser Leben enorm.

Xanny
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Re: Welpenblues??

Beitrag von Xanny » Do Aug 09, 2018 9:06 am

Ich wollte alles, wirklich alles, nur keinen wuseligen Welpen und so habe ich monatelang versucht, einen bereits erwachsenen Großpudel zu adoptieren. Ich wollte keine zerbissenen Schuhe, keine Pipiseen im Haus, nicht die Verantwortung für anerzogenen Macken, keine Pubertät, usw. Ich wollte eigentlich einen bereits ausgewachsenen Hund, der zumindest die Pubertät bereits hinter sich gebracht hatte, meine Schuhe heil lassen würde und dem ich die Stubenreinheit relativ schnell beibringen konnte. Außerdem hatte ich null Erfahrung mit Welpen, außer zwei Pflegehunde, von denen eine mir gehörig auf die Nerven ging. Aber es ließ sich einfach kein erwachsener Großpudel zu der Zeit finden. Und so habe ich mich mit dem Gedanken an einen Welpen angefreundet.

Dennoch hatte ich vor der Verantwortung und den Herausforderungen, die mit einem Welpen auf mich zukommen würden, einen heiden Respekt. Enno ist weder ein Glücksgriff noch ein Satansbraten. In manchen Sachen ist er wesentlich einfacher zu handhaben, als meine Tierschutzhunde mit ihrer unbekannten Vorgeschichte. Und in anderen Situationen wünsche ich mir, er wäre ruhiger, ausgeglichener. Zudem hatte ich einfach nicht gut genug bedacht, welche Herausforderungen seine Größe für den Rest des Rudels mitsichbringen würde. Roxi spielt so gerne mit ihm, kann sich aber körperlich kaum gegen ihn durchsetzen.

Ich denke, es sind nicht die enttäuschten Erwartungen, die bei mir einen Welpenblues auslösen, sondern ich hatte nicht damit gerechnet, dass er mein Rudel so durcheinander bringen würde. Vielleicht hatte ich verdrängt, dass jeder Hund Unruhe ins Rudel bringt. Das war bei meinen Pflegehunden nicht anders, mit dem Unterschied, dass diese nach einer relativ kurzen Zeit gingen und die übliche Ruhe dann wieder ins Rudel einkehrte. Gerade wegen der Pflegehunde war ich wohl davon ausgegangen, dass es in dieser Hinsicht keine großartigen Schwierigkeiten geben würde.

Außerdem hatte ich nicht damit gerechnet, dass mich meine neue Aufgabe in unserer Einrichtung so aus der Bahn werfen würde. Eigentlich dachte ich, ich hätte den Zeitpunkt richtig gewählt, aber es stellte sich heraus, dass ich diesen blöden Job hätte nicht annehmen sollen. Dafür kann Enno nichts, aber es war halt kein idealer Zeitpunkt für einen Welpen.

Wie heißt es noch so schön: das Leben geht weiter, während man Pläne macht ... Ich möchte Enno nicht mehr missen und ich hoffe, ich werde auch meinen Teil aus der Achterbahnfahrt der Gefühle lernen. Momentan befinden wir auf dem aufsteigenden Ast :D
Kerstin mit Leo, Lulu, Roxi und Enno :)

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Re: Welpenblues??

Beitrag von Rohana » Do Aug 09, 2018 12:11 pm

Interessant, wie unterschiedlich so der Weg zum Welpenblues ist. Bei mir die mir bis dahin so nicht gekannten Probleme mit der miesen Sozialisation und jede Menge Jagdtrieb (von dem ich dachte ich kenn ihn :lol: ). Bei Gero als ersten Auslöser der Einzug des Welpen als die Trauer noch zu frisch war. Und nun bei Dir Xanny, die fehlende Voraussicht, dass ein Pflegling eben doch was anderes ist als ein neuer eigener Hund.

Aber immer ist es scheinbar so, dass wir falsche Erwartungen hegen/nicht offen sind für den neuen Hund mit seinem ganz speziellen Charakter.
Liebe Grüße von
Christiane, Padge und Kaba

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steinmarder
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Re: Welpenblues??

Beitrag von steinmarder » Do Aug 09, 2018 2:59 pm

Hm,... Welpenblues... Sowas hatte ich nie und kann es, um ehrlich zu sein, nicht ganz nachvollziehen. Auch, als nach 5 Wochen Vorbereitungszeit, ein anderthalb Monate alter Säugling eingezogen ist, gab es solche Gefühle nicht. Und wir hatten von Säuglingen überhaupt keine Ahnung, wirklich KEINE Ahnung! :oops:

Obwohl ich früher sehr unsicher und eher schüchtern war, ist mein Motto heute: Wir schaffen das! Für jedes Problem gibt es eine Lösung! Immer, wenn auch nicht immer die optimale...



Ich glaube, viele Menschen sind heutzutage aufgrund der Informationsflut zu verkopft. Es fehlt an Pragmatismus und gesundem Menschenverstand.

Es ist nur ein kleiner Hund bzw. nur ein Baby! Wir Menschen ziehen seit tausenden von Jahren Hunde und Kinder groß, warum eine solche Wissenschaft daraus machen?
... das ist kein Hund. Das ist ein Pudel!!!

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Re: Welpenblues??

Beitrag von Rohana » Do Aug 09, 2018 3:14 pm

steinmarder hat geschrieben:
Do Aug 09, 2018 2:59 pm
Ich glaube, viele Menschen sind heutzutage aufgrund der Informationsflut zu verkopft. Es fehlt an Pragmatismus und gesundem Menschenverstand.

Es ist nur ein kleiner Hund bzw. nur ein Baby! Wir Menschen ziehen seit tausenden von Jahren Hunde und Kinder groß, warum eine solche Wissenschaft daraus machen?
Da geb ich Dir absolut recht!!

Was nicht heißt, dass ich nicht mit Padge zeitweise sehr an meine Grenzen gekommen bin. Aufgeben war nie eine Option, aber es gab Tage, da dachte ich 'das wird nie besser, das bleibt immer so anstrengend' und das waren keine schönen Tage :roll: .
Und theoretisch zu wissen, dass mehr eigene Gelassenheit der wichtigste Schlüssel zum Ziel ist, heißt nicht, dass man das auch gleich umsetzen kann und schon gar nicht, dass man das einfach umsetzen kann :mrgreen:
Liebe Grüße von
Christiane, Padge und Kaba

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Tschucki
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Re: Welpenblues??

Beitrag von Tschucki » Do Aug 09, 2018 3:18 pm

Hallo rohana, danke für dieses Thema. Über sowas wird seltenst geredet und kein Welpenbuch erwähnt dieses Thema.
Bei mir war es ganz ähnlich. Zwar hatte ich mich über Jahre auf ein Leben als HH vorbereitet, hatte jedes greifbare Buch verschlungen, Videos ausgeliehen und glaubte bestens vorbereitet zu sein.
Rösti ist mein erster Hund, und als er mit 4 Monaten zu mir kam war doch alles anders. Es waren die vielen Einschränkungen durch nicht-alleine-bleiben-können und nicht-autofahren-können zu Beginn. Auch dass man plötzlich mit einem (süßen, unerzogenen, kleinen) Hund doch sehr im Blick der Öffentlichkeit steht hat mir als eher unauffälligen Menschen doch sehr zu schaffen gemacht.
Habe gerade nochmal in meine Hundeaufzeichnungen geschaut. Nach geschlagenen 2 Monaten habe ich das erste mal was davon geschrieben, daß "es langsam Freude macht". Davor hätte ich den Schratz jeden mitgegeben, der an meiner Tür geklingelt hat.
Es hat gedauert, bis der Pü in meinem Herzen war. Heute nach 2 Jahren, ist alles gut. :streichel:
Schöne Grüße,
Tschucki mit Zwergpudel Rösti

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Bupja
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Re: Welpenblues??

Beitrag von Bupja » Do Aug 09, 2018 4:58 pm

Spannendes Thema.

Mein Welpenblues kam mit Toadie.
Mit einem Rotti/DSH Mix als erstem Hund, einem bereits großgezogenen Pudelwelpi (Pjakkur) und einem Second Hand Pudel (Butz) fühlte ich mich eigentlich für alles gewappnet und dachte, das Toadilie, dass wuppen wir doch mal mit links ABER

Toadie ist so völlig anders als alle anderen meine vorherigen Hunde/Hundebekanntschaften. Was bei den anderen funktioniert hatte, funktionierte bei Toadie überhaupt nicht.
Er ist starrsinnig,nervös, wahnsinnig sensibel, kann mit Druck überhaupt nicht umgehen, hat Jagdtrieb ohne Ende und wirklich wenig will to please und ist frech wie sau. Achja und laut. Er kläfft gefühlt immer und in ganz tollen Tonhöhen. Freut er sich, bellt er - fürchtet er sich, bellt er - ist er unsicher, ratet.
Besuch in unserem Haus ging am Anfang überhaupt nicht, Essen gehen mit Hund: ein Drama. Christiane, Du hast ja unsere Anfänge zum Teil mitgemacht...

Ein Besuch bei Christiane (Rohana) endete damit, dass Padge Toadie um den Küchenblock jagte, um das Kreischteil abzustellen. Wir bekamen Toadie auch nicht mehr beruhigt. Weder mit Box, noch mit separatem Zimmer, noch mit Handtuch über der Box.... Er kläffte und kläffte und kläffte und dabei war Kaba nur aus Versehen auf ihn drauf gelatscht, als er schlief.
Heute ist das ne lustige Anekdote, die sowohl Christiane als auch ich heute gerne erzählen, aber damals wars überhaupt nicht witzig.

Aufgeben war nie eine Option, aber der Kerl hat uns ganz schön in den Wahnsinn und in viele peinliche Situationen getrieben. Und manchmal dachte ich schon, wie wir das nur aushalten sollen, wenn er für immer so bleibt.
Heute ist er 5 Jahre alt und ein toller Kerl geworden. Seit er etwa 4 Jahre alt ist, haben wir unseren Flow gefunden. Ein bisschen schreib ich das unserer Hartnäckigkeit zu - auch darin die ganzen tollen Ratschläge Ratschläge sein zu lassen und auf unser Bauchgefühl zu hören. Wir kennen unseren Toadie schließlich am Besten und würden ihn nie nimmer nie nicht her geben. Ich bin durch diesen Hund sehr gewachsen - er hat mir unendlich viel beigebracht z.B. meine innere Mitte zu finden, wenn ich ihn eigentlich grade an den nächsten Baum tackern wollte.
Viele Grüße Daniela und die Schnubbels
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Re: Welpenblues??

Beitrag von Gero » Do Aug 09, 2018 6:54 pm

Oh tut das gut!
Zu lesen dass auch Andere ähnlich zu kämpfen hatten wie ich - wo ich doch dachte nur mir gehts so und mir schon ganz unfähig vorkam.

Danke für eure Offenheit zu dem Thema, ich denke die wird noch etlichen Neu-Hundeeltern helfen wenn die grad an ihre Grenzen kommen oder enttäuscht sind über ihre Fellkinder.

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Re: Welpenblues??

Beitrag von Rohana » Do Aug 09, 2018 7:55 pm

Natürlich können einen Hunde (wie auch Kinder ;-)) immer mal an die eigenen Grenzen bringen. Was ich inzwischen (hoffe ich zumindest bis zum nächsten Hund :lol: ) ist, Ruhe zu bewahren, mich nicht völlig kirre machen zu lassen, 'das große OMMM über den Hund zu singen' und so die Situation durchzustehen und dem Hund von meiner Ruhe abzugeben. Allerdings hab ich ja auch oft genug in meinen Hundestunden Gelegenheit, mir anstrengende Situationen quasi 'von außen' anzuschauen. Wenn da jemand mit so einem jungen Chaoshüpfel in meiner Stunde ist, und der Mensch immer zappeliger wird, hektisch ist weil es nicht so klappt,.... dann sieht man als Aussenstehender ziemlich offensichtlich dass das nur schief gehen kann. (Wenn man selbst in der Situation steckt ist das viel schwieriger.)

Dazu fällt mir ein: gestern Abend war ich in unserer großen Unterordnungssstunde. Gegen Ende bildeten alle circa 15 Teams einen großen Kreis und die Aufgabe war, den Hund auf die Seite zu legen und zur Ruhe zu bringen. Also saßen wir alle auf der Wiese, Kaba genoß ihre Streicheleinheiten und ich hatte Muße, mir die anderen anzuschauen. Und da war ein junger Mann mit einem pubertären Springinsfeld, der so gar nicht ruhig werden wollte. Und Herrchen hockte vorm Hund und schimpfte immer lauter und genervter 'Nun werd doch endlich ruhig, du sollst dich jetzt hinlegen, Ruhe jetzt,...' Das hatte - von außen gesehen - echte Slapstickqualitäten :wink: . Aber der Arme war einfach hilflos und mit seinem Latein am Ende und dann macht man sowas eben.
Liebe Grüße von
Christiane, Padge und Kaba

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caramia
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Re: Welpenblues??

Beitrag von caramia » Fr Aug 10, 2018 12:23 pm

Welpenblues , eher Junghundeblues war es bei mir . Ich glaube ich konnte noch gar nicht richtig Luafen , da zog es mich magisch zu jedem Tier , besonders jeden Hund hin . Aufegwachsen bin dann mit den Boxer meiner Tante und Onkel im gleichen Haus und einen Dackelrüden. Mein sehnlichster Hund vom eigenen Hund sollte allerdings erst viele Jahre später Wirklichkeit werden . Haus mit großen Garten direkt am Wald war vorhanden , meine Kinder zwar noch klein , aber ich war überzeugt im Erziehungsurlaub wäre es nun an der Zeit für meinen Hund. Der erste Versuch scheiterte kläglich , denn die Schäferhundmixhündin aus unserem Tierheim enpuppte sich als wahre Männerhasserin . Nach 3 Wochen bekam ich massiv Ärger mit meinem Mann und Nachbarn, die von meiner Greta heftig attakiert wurden . Völlig überfordert , verzweifelt und hilflos brachte ich diese Hündin ins Tierheim zurück, musste sie sogar selber in den Zwinger bringen , da die Pflegerin an diesem Tag niczt da war. Wenig später startete ich einen erneuten Versuch und ein SChäferhundmischlingsrüde im pubertierenden Alter zog erneut ein. Ein Tierschutzhund , der bei meinem Tierarzt behandelt wurde und dieser bei mir anfragte , ob ich diesen mageren von Milben und Fölhen zerfressenen Elend nicht ein Heim geben wolle. Aus Willi wurde Schröder und ich war im siebten Himmel, Schnell lebte sich Schröder ein , wurde ein stattlicher Rüde , kam mit den Kindern , anderen Menschen und Hunden super zurecht. Er lief so neben den Alltag her , da waren ja die Kinder , das große Haus , der riesige Garten .....und ich hatte keine blasse Ahnung von Hundeerziehung . Schröder machte immer mehr sein eigenes Ding , er sprang galant über den Zaun und streunte durch die Gegend . Er tat nie einer Fliege was , aber viele hatten Angst vor diesem Hund . So bekam ich häufiger böse Anrufe und auch Anzeigen. Ich liebte diesen witzigen netten Kerl , aber eine Bindung zu mir , zu uns hatte er nicht . Er hörte nicht, er machte einfach sein Ding und ohne Leine ging er stiften , kam nach Stunden dann wieder zurück , Sein Jagdtrieb war enorm und oft von mir unterschätzt. Spielaufforderungen mit anderen Hunden nutzte er ziemlich schnell aus, um sich wieder auf die Pirsch zu machen,Er durchschaute mich wesentlich schneller , als ich ihn . Dann kam der Zeitpunkt , wo mir klar wurde , so kann es nicht weitergehen , so hatte ich mir keine Hundehaltung vorgestellt. Mein Hund sollte gehorchen , sollte mir überall hin folgen und ich wollte Stolz auf ihn sein .Das war der Zeitpunkt wurde ich mir die Frage stellte : was mache ich mit diesem Hund ? was ist das Beste für alle Beteiligten ? Gebe ich ihn in erfahrene Hände ab oder schaffen wir das gemeinsam , ich lerne alles über Hundeerziehung , lese Fachbücher , besuche Hundeschulen usw.
Schröder ist geblieben und ich habe dazugelernt ohne Ende und tue es noch heute .Mich informiert , gelesen , Hundemethoden ausprobiert und auch gelassen , meine eigenen Weg gefunden . Im Nachhinein kann ich vloller Stolz sagen , dieser Hund was mein bester Lehrmeister und ich wäre heute nicht da , wo ich stehe . Seitdem begleiten mich immer 2 bis 3 Hunde , ich verschlinge alles zum Thema Hund , besuche Seminare ; Kurse , interessiere mich für die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse und behaupte mal : ich brenne für Hunde . Hunde laufen seit Schröder bei mir nicht so nebenher , sie sind mein Hobby , meine Leidenschaft. Schröder ist übrigens stolze 18 Jahre alt geworden und noch heute erinnern sich viele Hundeleute an meinen Raudi von damals.
Mein Herz bellt :D
Doris

Pinch
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Re: Welpenblues??

Beitrag von Pinch » Fr Aug 10, 2018 9:55 pm

, alle Hunde zuvor waren eigene Charakter, aber so schwierig wie Ninja und Platon war keiner gewesen, deshalb kam der Blues, ja, der kam mit meiner zweiten Papillonhündin, damals lebt die erste noch, Tiffy von buddhistischen Gleichmut, als sie 9 Jahre war kam Ninja, 3,5 Kg Bombe. Sie war das genaue Gegenteil: hysterisch, sensibel, wollte nicht allein sein, zerbiss alles, kläffte durch, biss beim Tierarzt um sich, schrie die ganze tierärztliche Hochschule in Hannover zusammen, wenn ich nicht zu Hause war, zerfetzte sie Bettdecken, pinkelt auf Sofas , war Leinenaggressiv .... Tiffy fand sie auch nicht sooo prickelnd. Die Züchterin erzählte mir später, dass die Mutter, erster Wurf mit den Welpen nicht viel anfangen konnte, das hat sie geprägt. Dann starb Tiffy... Ninja blieb zwei Jahre allein, wir hatten uns inzwischen zusammengerauft, schlechte Hundeschulen besucht und gelernt wie man es nicht macht. Da Tiffy auch Jahrelang wunderbar mit Aron unserem Dobermann zusammengelebt hatte, dachten wir, zumal ich nicht mehr arbeitete, das war doch schön. Tja, dann kam Platon, süß, grüne Augen, dicke Pfoten, aber immer in Aktion, monatelang keine Beisshemmung, jedes Kommando in Frage gestellt, mit Karacho in die Schleppleine, aus 20 m Attacke mit Anspringen, ausgerenkte Schulter, blaue Flecken, nach mir geschnappt, das ganze Programm, auweia, Heulanfälle gehabt, dann hat Petra sich gedacht, jetzt erst recht,nach dem Studium der Dobermannforen, gefühlt hundert Büchern und sechs Psychiatern, äh, Hundeschulen weiter, habe ich nach einer Kindheit und Jugend mit Hunden, erst wirklich etwas über Hunde gelernt, gelernt zu trainieren, gelernt Geduld zu haben, Fehler zu machen, auf mein Bauchgefühl zu hören, seit fünf Jahren lebe ich mit einem ausgeglichenen wunderbaren Hund, der als Kind so war wie 99% aller Dobis, durchgeknallte Energiebündel mit Dickkopf gepaart mit großer Sensbilität. Danke ihr Lieben, die ihr mich bis hierher begleitet habt, für Eure Liebe und Loyalität, ich verneige mich vor Euch! Ihr habt mir so viel über mich beigebracht wie kein Führungssemiar es vermocht hat.
Zuletzt geändert von Pinch am Fr Aug 10, 2018 10:03 pm, insgesamt 1-mal geändert.
Schön ist es auf der Welt zu sein
:wav:Petra mit Platon & Gisela 🌺Ninja, Aron und Tiffy im Herzen♥️

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Re: Welpenblues??

Beitrag von Rohana » Fr Aug 10, 2018 10:02 pm

Pinch hat geschrieben:
Fr Aug 10, 2018 9:55 pm
,... gefühlt hundert Büchern und sechs Psychiatern, äh, Hundeschulen weiter, habe ich nach einer Kindheit und Jugend mit Hunden, erst wirklich etwas über sie gelernt, gelernt zu trainieren, gelernt Geduld zu haben, Fehler zu machen, auf mein Bauchgefühl zu hören, seit fünf Jahren lebe ich mit einem ausgeglichenen wunderbaren Hund, der als Kind so war wie 99% aller Dobis, durchgeknallte Energiebündel mit Dickkopf gepaart mit großer Sensbilität. Danke ihr Lieben, die ihr mich bis hierher begleitet habt, für Eure Liebe und Loyalität, ich verneige mich vor Euch! Ihr habt mir so viel über mich beigebracht wie kein Führungssemiar es vermocht hat.
Hervorragend geschrieben :klatsch: und dem kann ich mich komplett anschließen.
Liebe Grüße von
Christiane, Padge und Kaba

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Xanny
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Re: Welpenblues??

Beitrag von Xanny » Sa Aug 11, 2018 4:05 am

Pinch hat geschrieben:
Fr Aug 10, 2018 9:55 pm
Danke ihr Lieben, die ihr mich bis hierher begleitet habt, für Eure Liebe und Loyalität, ich verneige mich vor Euch! Ihr habt mir so viel über mich beigebracht wie kein Führungssemiar es vermocht hat.
An diesen zwei Sätzen ist soviel Wahres dran :!: :klatsch:
Kerstin mit Leo, Lulu, Roxi und Enno :)

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Re: Welpenblues??

Beitrag von caramia » Mo Aug 13, 2018 12:01 pm

Welpenblues mal anders :keule:
Samstag traf ich eine alte Stammkundin von mir . Ihre mittlerweile 8 Monate alte Mini Aussiehündin ist übers Ziel hinausgeschossen... schon jetzt viel zu gross für einen Mini Aussie. Der erste Hund der Familie , ein Hund für die 12 jährige Tochter , die im sportlichen Bereich mit dem Hund tätig sein möchte . Lange haben sie nach einer passenden Rasse und Züchter recheriert , um alles richtig zu machen. Haben eine lange Wartezeit für den Welpen in Kauf genommen , sie quer durch Deutschland mehrfach zum Züchterbesuch gereist. Anfang des Jahres präsentierten sie mir die kleine Hündin ganz stolz . Eine wirklich engagierte Familie , die alles , wenn möglich richtig machen wollte und will . Gezielt wurde ein kleinerer Hund ausgesucht und nun sowas. Die Hündin darf natürlcih bleiben , keine Frage , jedoch ist die Enttäuschung bei ihnen nicht zu verbergen . Die Hündin hat Standardgröße und gehört in der Hundeschule schon zu den größeren Aussiejunghunden.
Für mich nicht verwunderlich.Gerade was die Mininaussies betrifft , da muss der gesamte Stammbaum berücksichtigt werden.
Tja , so kann es auch gehen :keule:
Mein Herz bellt :D
Doris

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