Jakobs Fahrt nach Bad Frankenberg

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Annettchen
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Jakobs Fahrt nach Bad Frankenberg

Beitrag von Annettchen » So Apr 20, 2008 4:49 pm

Hallo Freunde,
im Prinzip habe ich nichts gegen Enkelkinder einzuwenden. Das unser aller Frauchen nun gleich 5 Stück in allen Altersgruppen davon hat, ist nun ihre Sache. Ich für meinen Teil hätte mich mit weniger begnügt, es reicht schließlich, wenn man einen kleinen Quälgeist hat, der mit großem Vergnügen an Pudel-Plümmel und -Ohren zerrt.

Laut Auskunft von Frauchen, hatte es jedoch keinerlei Einfluss auf die Anzahl der Enkel und es wäre kein Grund vorhanden sich aufzuregen, schließlich gibt es nichts Schöneres als Enkelkinder.

Immerhin wären sie alle ein paar Jährchen „auseinander“. Für mich hieß das jedoch, wenn eines aus dem Am-Pudel-Zerr-Alter herausgewachsen war, kam das nächste hinein.

In der Tat bin ich immer heilfroh, wenn die Enkelchen ihre Besuche nicht zu lange ausdehnen und bringe überhaupt kein Verständnis dafür auf, dass unser aller Frauchen bei Anrufen der Enkel – die meist unheilvolle Besuche ankündigen – in Freudenschreie ausbricht.

Gestern jedoch schien es mir so, dass der älteste Enkel das Frauchen mitsamt dem gesamten Anhang zu einem Besuch eingeladen hat. Wie ich in der Vergangenheit dunkel mitbekommen hatte, befand sich Tom seit Kurzem bei der Bundeswehr und war in Gotha stationiert. Aus dem der Einladung folgenden Telefonat mit dem Mannsbild entnahm ich, dass es wohl ein feierliches Gelöbnis in der Kaserne von Bad Frankenberg geben würde und Tom ganz aufgeregt sei und alle seine Lieben, einschließlich meiner Wenigkeit, dabei haben möchte.

Da ich mal wieder über die Einzelheiten, was den Enkel Tom betraf, im Unklaren gelassen worden war, und ich mir unter einem feierlichen Gelöbnis nun überhaupt nichts vorstellen konnte, versuchte ich postwendend etwas darüber in Erfahrung zu bringen.

Leider war das Frauchen überhaupt nicht mitteilsam und sagte mir zur Sachlage lediglich, dass ich mitkommen dürfe zu dem feierlichen Ereignis. Dann würde ich ja schließlich alles mitbekommen und wissen worum es geht.

Mein Verdacht war der, dass auch das Frauchen nicht genau wusste wobei es sich bei dieser Feierlichkeit handelt.

Endlich war der große Festtag gekommen, wir wurden - es versprach ein sehr sonniger, warmer Tag zu werden - in aller Herrgottsfrühe in das Auto des Mannsbildes verfrachtet.

Es war zwar ein wenig eng für Mensch und Tier, aber – wie vorher im Internet ausgekundschaftet, waren es bis Bad Frankenberg „nur“ knappe 200 km, die wir wohl, wie beiläufig vom Mannsbild kund getan wurde, auf „einer Backe“ absitzen würden.

Da gerade ein neues Navigationsgerät angeschafft wurde, sollte die Tauglichkeit dieses Gerätes auf dieser Fahrt getestet werden. Nicht, dass man es tatsächlich benötigte, nein, das nicht gerade, den Weg nach Gotha kenne man ja wie seine Westentasche. Zahlreiche Verwandtenbesuche ließen das Mannsbild die Strecke fast im Schlaf fahren.

Dem Gerät wurde also mitgeteilt, dass wir nach Gotha fahren wollen. Auf Frauchens zaghaften Einwand hin, dass die feierliche Vereidigung in Bad Frankenberg und nicht in Gotha statt findet, wurde das Gerät tatsächlich entsprechend programmiert, allerdings mit der spitzen Bemerkung, das Frauen immer alles besser wüssten und nur um des lieben Friedens wegen Bad F. eingegeben würde.

Entgegen der Anweisung mich in den vorderen Fußraum zu verkrümeln, habe ich es mir während der – ehrlich gesagt – für mich langweiligen Diskussion vor Mariechens Füßen schon mal gemütlich gemacht und endlich, ohne das mein Aufenthalt im hinteren Bereich des Autos bemerkt wurde, ging’s los. Nach ungefähr 1000 m bat uns eine Dame mit sympathischer Stimme nach links abzubiegen.

Entgegen dieser – meinem Dafürhalten gut gemeinten – Empfehlung, bog das Mannsbild nach rechts ab, um den ihm bekannten Weg nach Gotha einzuschlagen.
Der schüchterne Hinweis unseres Frauchens, wir seien auf dem Weg nach Bad Frankenberg und nicht nach Gotha, tat unser Herrchen mit einer kurzen Handbewegung und der Bemerkung, Bad Frankenberg müsse direkt neben oder vor Gotha sein, schließlich sei Tom in Gotha stationiert, ab.
Die wohlgemeinten Ratschläge der Dame bezüglich der Fahrtrichtung wurden weiterhin ignoriert und selbst die Tatsache, dass unser Zielort immer weiter in die Ferne rückte, machte das Mannsbild überhaupt nicht stutzig.

Je weiter wir uns unserem Zielort entfernten, desto höher stieg die Sonne und es wurde sehr stickig und heiß in unserem Auto. Es wurden Jacken und Schuhe ausgezogen und alle Fenster weit geöffnet. Diesen Anlass nutzte ich, um eine Nase Frischluft zu tanken, wobei dann doch mein unerlaubter Aufenthalt im hinteren Fußraum auffiel.

Ich wurde, sehr zu meinem Missfallen nach vorne verfrachtet und musste meinen Platz zu Frauchens Füßen einnehmen.
Mittlerweile waren wir immerhin gute 300 km vom Zielort entfernt, die Dame im Navi reagierte sehr hilflos und wollte ständig, dass wir in eine andere Richtung fahren.

Als es noch 310 km bis zum Zielort waren, hatte unser Frauchen die Nase voll und wies das Mannsbild an, die Richtung zu nehmen, die die Dame uns als nächstes empfiehlt.

Zähneknirschend ergab sich das Mannsbild seinem Schicksal, hörte auf die freundliche Stimme und bog bei der nächsten Gelegenheit weisungsgemäß ab. Offensichtlich war dies jedoch ein wenig zu früh, denn wie wir nach einigen Metern bemerkten, befanden wir uns falsch herum in einer Einbahnstraße.
Nicht nur wir hatten den Fehler bemerkt, sondern ein uns entgegen kommendes Polizeifahrzeug. Wir wurden angehalten und aus der Straße heraus geleitet.
Wenn Ihr jetzt glaubt, wir wären glimpflich davon gekommen – weit gefehlt! Unser Mannsbild musste widerwillig richtig tief ins Geldsäckchen greifen, denn er war nicht nur die Einbahnstraße verkehrt herumgefahren, nein er war auch nicht angeschnallt.

Nur gut, dass der Hund (!) – unglaublich, mich wunderschönen Königspudel schnöde als Hund zu bezeichnen – sich im vorderen, sicheren Fußraum befand, wurde bei der Weiterfahrt festgestellt, ein unangeschnallter Pudel (alle drei Gurte hinten war ja durch Verwandte belegt) hätte noch mal Geld gekostet.

Natürlich gab er uns allen die Schuld an dieser Geschichte, wir hätten schließlich auf Richtungsänderung gedrungen, er persönlich wäre gerne noch in Richtung Gotha weiter gefahren. Schließlich könne sich ja auch das beste Navi mal irren.

Nach dieser Aussage bestand unser Frauchen darauf, das Steuer zu übernehmen. Angeschnallt und dem Navi gehorchend kamen wir – zwar total durchgeschwitzt, derangiert und um etliche Euros leichter – 5 Minuten vor dem feierlichen Akt in Bad Frankenberg, welches gute 100 km nördlich von Gotha liegt, an.

Herzliche Grüße von
Jakob
mit all seinen Geschwistern
Urlaub mit Eurem Vierbeiner:
http://www.traumziel-ostsee.de

Nicht alle Tiere fressen Heu.

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Bärbelchen
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Re: Jakobs Fahrt nach Bad Frankenberg

Beitrag von Bärbelchen » So Apr 20, 2008 6:13 pm

hallo jakob :)

so ist das mit den männlichen mitbewohnern,sie haben immer recht und wenn sie mal unrecht haben sind immer die andren dran schuld. :lol:

aber die frauenwelt weis es besser wie man mal wieder sieht .

das navi war bestimmt auch eine frauen stimme,es gibt welche die kann man auf männerstimme umstellen vielleicht hilft das nächstes mal ,und dein herrchen hört auf ihn besser.
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Viele Grüße Bärbel

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Martina
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Re: Jakobs Fahrt nach Bad Frankenberg

Beitrag von Martina » So Apr 20, 2008 7:00 pm

Bild Bild Echt Klasse !!!
Liebe Grüße
Martina
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Ulla
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Re: Jakobs Fahrt nach Bad Frankenberg

Beitrag von Ulla » Mi Apr 23, 2008 7:34 pm

Hallo Jakob
dein Herrchen hatte mir ja versprochen mich zur nächsten Pudelausstellung mit zunehmen , das werde ich mir aber doch reiflich überlegen , wer weis ob und wann wir da ankommen

Pudelige Grüße Yana Schneewittchen :streichel:

cherry
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Re: Jakobs Fahrt nach Bad Frankenberg

Beitrag von cherry » Do Mai 01, 2008 9:23 pm

Hallo Annettchen,
warum schreibst du kein Buch ?

Dein Stil ist super, einfach schön zu lesen, Klasse Geschichten :klatsch: :klatsch:


Grüße Judy

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