Der Pudel und die Raubkatzen

Alles, was mit dem Verhalten Eurer Pudel zu tun hat
Roosie
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Der Pudel und die Raubkatzen

Beitrag von Roosie » So Okt 02, 2016 1:30 pm

Heute waren Jasper und ich das erste Mal im Münchner Zoo. Vorher waren wir schon mal in einem Wildpark, aber Zoo war das erste Mal, da es sich vorher einfach nie ergeben hat. Heute hat es gut gepasst, denn es regnete, uns war langweilig und bei Regen ist auch am Sonntag wenig los im Zoo. Wir sind zunächst an ganz harmlosen Tieren vorbei, für die sich Jasper kein bisschen interessierte: Wildpferde, Hirsche etc. Er hat lieber an Steinen geschnuppert und seine Marken verteilt. Beim ersten "gruseligen" Tier, einem Nashorn direkt an der Scheibe, hat er zunächst auch nichts gesagt - als sich der "Felsen" aber bewegte, ist er erschrocken und hat gewufft. Ich hab die Leberwursttube gezückt und konnte das Nashorn positiv belegen. Ab da war es kein Problem mehr. Interessiert hat er sich dann weiter für die Meerschweinchen hinter dem Glas, für die Ziegen und für die Robben. Der Rest (auch z.B. der Bär) war ihm herzlich egal. Ähnlich desinteressiert stand er neben mir, als ich die Elefanten anschaute. Neben denen ist das Gehege vom Löwen... Und plötzlich bekam Jasper Witterung vom Löwen und ist total in Panik verfalllen :shock: :shock: :shock: Er hat gekläfft, gefiept und an der Leine gezerrt, als hinge sein Leben davon ab. Der Versuch, das schön zu füttern, scheiterte kläglich. Ich konnte nur noch weg mit ihm, er ließ sich gar nicht beruhigen. Um ihn wieder "runter" zu bekommen, wollte ich einen ruhigen Weg einschlagen. Da wartete aber unverhofft der Puma hinter einem Busch (natürlich hinterm Zaun), den ich sonst kaum draußen sehe. Er guckte Jasper an, und dieser, noch mit dem Schreck vom Löwen in den Knochen, fuhr erneut zusammen und begann wieder zu kläffen. Wieder nichts zu machen, er wollte nur weg. Aber er reagierte so kopflos, dass wir nicht gleich weiterkamen, weil er in die völlig falsche Richtung zerrte - und sich dann auch noch einkotete. Ich hab schon etwas im Internet recherchiert und herausgefunden, dass das wohl bei manchen Hunden ein instinktives Verhalten gegenüber Raubkatzen ist. Aber sooo heftig! Obwohl er ja vorher noch nie mit denen irgendwas zu tun hatte :shock: Wie halten eure Pudel es im Zoo mit solchen Wildtieren? Und wie würdet ihr reagieren? Kann man gegen solche plötzlich auftretende Angst akut irgendwas machen? Jasper ist ja generell eher ein sensibler und es gibt auch im Alltag hin und wieder mal eine Situation, wo er plötzlich so reagieren kann (letztens z.B. bei einem Luftballon, der auf dem Weg lag). Aber da kann man ja hin und den Luftballon anfassen etc. dann geht das schon irgendwie. Ich frag mich nur, ob man irgendwie beim Hund in so einer Situation "durchkommen" kann oder ob einem nur bleibt, diese Situationen zu vermeiden bzw. sie so schnell wie möglich aufzulösen. Was sind eure Erfahrungen? Mich macht sowas echt traurig, weil (ohne Lösungsansatz) dann wieder etwas wegfällt, was wir zusammen machen können - und man ist als Hundebesitzer eh schon so eingeschränkt. :cry:
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natze76
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Re: Der Pudel und die Raubkatzen

Beitrag von natze76 » So Okt 02, 2016 5:24 pm

Also ich habe das noch nicht ausprobiert, denn in Stuttgart sind Hunde im Zoo verboten. Ich würde aber in gewissen Situationen kein Futter geben, denn dann wird das Verhalten ja bestätigt :n010: , oder nicht?
Liebe Grüße von Natalie und Marc mit Samir

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Re: Der Pudel und die Raubkatzen

Beitrag von galina » So Okt 02, 2016 7:55 pm

Liebe Roosie,
natze hat sicher recht, dass Futter in manchen Situationen die Angst bestätigt. Andererseits kann man Futter auch zum Umpolen einer beängstigenden Situation nutzen, das muss aber gut durchdacht sein. Auch nehmen viele Hunde gar kein Futter mehr an, wenn die Angst in Panik umschlägt.
Ich habe bei meiner Hündin ein Signalwort etabliert, das in beängstigenden Situationen die Angst weitgehend neutralisiert. Wanja hatte als Welpe beinahe panische Angst vor großen Hunden, die bellten. Das konnte auch weit weg sein, hörte sie ein tiefes Bellen, wurde sie erst unruhig, dann zunehmend panisch. Schon bald nachdem sie bei mir eingezogen war, habe ich ein Wort eingeführt, das sie, wenn sie zu aufgedreht war, beruhigte. Das klappte und klappt gut, meistens beruhigt sie sich fast sofort, wenn ich es benutze. Nun habe ich die angstmachende Situation bewusst gesucht, großer bellender Hund, habe sie mit Abstand, aber in Sichtweite sitzen lassen und habe mich neben sie gehockt. Eigentlich war dann nichts weiter nötig, als ruhig zu bleiben und dieses Wort zu sagen. Sie hat schnell gelernt, dass bellende Hunde keine Bedrohung sind.
Wichtig, denke ich, ist Ruhe in die Situation zu bringen, Bewegung verschlimmert die Panik. Der Hund zieht, du wirst hektisch, der Hund wird noch panischer usw. In gebührendem Abstand, dort, wo der Hund es gerade noch aushält, Sitz machen lassen oder auch auf den Arm nehmen (ich weiß grad nicht, wie groß und alt Jasper ist). Ich habe Wanja oft auf den Arm genommen in Situationen, die für sie bedrohlich waren. Ich weiß, dass manche das ablehnen, aber meine Erfahrung ist ausschließlich positiv. Zeit mitbringen und selber ruhig bleiben. Erst loben, wenn das panische Verhalten nachlässt. Viel Glück, das wird schon.

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Re: Der Pudel und die Raubkatzen

Beitrag von Roosie » So Okt 02, 2016 8:17 pm

Hallo natze und galina,
vielen Dank für die Antworten! Ihr habt Recht mit dem Futter, das weiß ich auch. Beim Nashorn habe ich zuerst mit einem Abbruch das Wuffen unterbunden und dann das ruhige Anschauen mit Futter belohnt. Das hat ja auch gut geklappt und die Aufregung (Angst war das noch nicht) war weg. Beim Löwen habe ich versucht, mit Futter auf dem Boden und dem "Such-Kommando" ihn aus seiner Rage zu holen. Er war nicht mehr ansprechbar. Aber Galina, ich denke im Nachhinein auch immer mehr, dass ihm geholfen hätte, auf den Arm genommen zu werden. Wie hast du das Beruhigunswort eingeführt?
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Re: Der Pudel und die Raubkatzen

Beitrag von Cindy » So Okt 02, 2016 9:29 pm

Was ich mich frage ... Was hat denn ein Hund vom Besuch im Zoo?

Er ist halt dabei .... Mehr nicht.

Wenn Jasper solche Panik vor dem Geruch der Löwen hat, dann ist das zuallererst mal völlig normal und verständlich. In freier Wildbahn würde er länger leben als der Kollege, der mal eben naseweis dem Löwen Guten Tag sagen will.

Insofern würde ich die Situation Zoo entweder ganz vermeiden, oder eben um den Raubtierbereich einen grossen Bogen machen.

Angst- und Panikattacken in Alltagssituationen sind eine andere Baustelle. Und ja, die kann man schönfüttern. Aber genauso kann man verd.....t viel falsch machen bei de "Schönfütterei".
Und wenn man dann Pech hat, verstärkt man das Ganze noch. Deshalb sollte man das nur unter Anleitung eines Profis machen.
Viele Grüße
Cindy


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Re: Der Pudel und die Raubkatzen

Beitrag von galina » Mo Okt 03, 2016 7:39 am

Liebe Roosie,
ja, die "Kunst" ist sozusagen, sie ansprechbar zu halten. Das hat beim Nashorn, wie du schreibst, ja gut geklappt. Das Ansprechbarhalten kann man trainieren, indem man die anstfreie Zone immer weiter ausdehnt. Das Signalwort habe ich mit einer Verknüpfung trainiert. Sie hat ganz zu Beginn zu Hause einen festen Platz zugewiesen bekommen. Dort wurde sie immer hingeschickt, wenn ich z.B. das Spielen unter- bzw. abgebrochen habe. Also ein Abbruchsignal, z.B. "Schluss Spielen" + "ab Körbchen". Und wenn sie im Körbchen war, gab es ein "alles gut". Es braucht natürlich seine Zeit bis das Wort richtig verinnerlicht ist. Mittlerweile schaut sie, wenn sie z.B. draußen was lautes hört, mich an, ich sage das Signalwort" und sie legt den Kopf wieder hin und schläft weiter. Das funktioniert auch draußen.
Cindy: Angst ist meistens normal und sinnvoll. Aber es ist bei einem Hund, der ja mit uns zusammenlebt, auch sinnvoll, dem Hund so weit wie möglich Angst zu ersparen. Das tun wir, indem wir den Welpen schrittweise an angstmachende Situationen gewöhnen. Zu Beginn ist jedes Auto ein "Löwe". Irgendwann hat der Hund keinen Stress mehr mit einem Auto, dafür aber noch mit dem LKW oder dem Zug. Und irgendwann nur noch mit dem wirklichen Löwen;-), aber auch das ist natürlich zu schaffen und keineswegs unzumutbar.

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Re: Der Pudel und die Raubkatzen

Beitrag von Morgana » Mo Okt 03, 2016 11:07 am

@Galina: Raubkatzen und LKW haben aber einen gravierenden Unterschied, den Geruch. Dieser typische Raubkatzengeruch ist im Urinstinkt der Hunde als "tödliche Gefahr" verankert. Bei dem einen Hund mehr, bei dem anderen weniger. Wenn das extrem ausgeprägt ist, wie bei Jasper, kann man das weder schönfüttern noch -klickern. Ich würde es einfach beim nächsten Zoobesuch (wenn der denn unbedingt stattfinden muss), vermeiden, dem Raubtierbereich so nah zu kommen.

Das man Hunde an Alltagssituationen gewöhnen sollte, ist unbestritten. Aber Raubtiere gehören nun mal nicht unbedingt zum Alltag :wink:
Zuletzt geändert von Morgana am Mo Okt 03, 2016 12:08 pm, insgesamt 1-mal geändert.
LG Stefanie

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Re: Der Pudel und die Raubkatzen

Beitrag von Cindy » Mo Okt 03, 2016 11:43 am

@galina

wenn wir mal in Deutschland im Alltag regelmässig auf zahme Löwen treffen, können wir darüber diskutieren, ob es Sinn macht, dem Hund Löwen "schönfüttern" zu wollen.

Fakt ist - unseren Hunden geht absolut NICHTS ab, wenn sie eben NICHT mit im Zoo an der Leine durch die Gegend gezerrt werden. Das ist purer Egozentrismus des Menschen, zu erwarten, dass unsere Hunde so etwas toll finden müssen, weil "wir ja was mit ihnen unternehmen".

Dass unsere Hunde an LKWs etc. gewöhnt werden müssen, sofern sie damit ein Problem haben, ist nun mal eine Notwendigkeit, die darin besteht, dass so was ganz normale Alltagssituation ist.


Dazu kommt, dass entsprechende Gerüche - Löwen, Wildschweine, etc. - und deren Reaktion darauf nun mal schlicht "Urinstinkt" ist, wie Morgana bereits erklärte .... andernfalls wäre es völlig unlogisch, dass ein Hund so extrem darauf reagiert. Das hat was mit "Überleben" zu tun - der Hund weiss ja nicht, dass der Löwe hinter einer Absperrung gesichert ist ... zumal das auch nicht immer der Fall ist, wie man letztens mal wieder unschönerweise erleben durfte.
Der Hund eines Bekannten, durchaus einer Spur nicht abgeneigt, lief mal an der langen Schleppleine ca. 10-15 vor Herrchen .... streckte plötzlich die Nase in den Wind, drehte dann sofort um und rannte in Richtung Herrchen und von da an weiter .... Herrchen war so schlau dem "Rat" seines Hundes zu folgen .... und konnte dann aus sicherer Entfernung sehen, wie eine Rotte Wildschweine den Weg an genau der Stelle passiert haben, an der sie kurz zuvor noch waren. Hund und Herrchen wären mitten in die Rotte geraten ... und eines kann man sagen - Wildschweine sind nicht die Nettesten, wenn es drauf ankommt.

Soll Herrchen jetzt zukünftig seinem Hund Wildschweine schönfüttern?
Viele Grüße
Cindy


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Re: Der Pudel und die Raubkatzen

Beitrag von galina » Mo Okt 03, 2016 1:38 pm

Liebe Cindy, liebe Morgana,
es geht ja hier nicht um "schönfüttern". Selbstverständlich gibt es in der Welt Situationen und im Fall von Löwen oder Wildschweinen Gerüche, die Hunden durchaus Angst einjagen können und das ist auch gut so. Es geht schlicht darum, den Hund in so einer Situation kontrollierbar zu halten. Beim Löwen lässt sich eine Begegnung hierzulande ja meistens vermeiden, aber Wildschweingeruch nimmt der Hund im Wald vielfach wahr und zwar nicht erst, wenn eine Rotte den Weg kreuzt. Wildschweine kratzen sich an Bäumen, wühlen den Boden auf. Wenn er das riecht, hat der Hund normalerweise bereits gelernt, dass er nicht in Panik verfallen muss deswegen. Vorsicht ja, selbstverständlich, aber nicht unkontrollierbare Panik. Darum geht es. Und geordneter Rückzug gehört, erfordert es die Situation, natürlich dazu.
Ausgehend vom Lernprozess, sind LKWs und Löwen durchaus vergleichbar. Beides sind Dinge, die dem Hund Angst machen und ihm eine Flucht nahelegen. Kann er nicht weg, kommt Panik hinzu. Erst ein Lernprozess führt dazu, diese für den Hund eigentlich bedrohlichen Situationen (und Gerüche) aushalten zu können. Für den Hund gilt letztlich: was bedrohlich ist, bestimme ich (der Boss;-)). Ob das nun Löwen oder Meerschweinchen sind. Es hat auch schon Hunde gegeben, deren Urinstinkte durch Stubenfliegen aktiviert wurden.
Ob man den Hund Situationen, wie sie in einem Tierpark vorkommen können, aussetzen will, muss vielleicht jeder für sich entscheiden. Ich persönlich finde, warum nicht? Hunde begleiten den Menschen nun mal. Sie fliegen, sie fahren in Zügen, sie müssen Stadtverkehr aushalten etc. Und sie können das (nach entsprechender Vorbereitung) auch, ohne darunter zu leiden. Aber ich kenne Jasper nicht, darum kann das möglicherweise ohnehin nur Roosie entscheiden.

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Re: Der Pudel und die Raubkatzen

Beitrag von Morgana » Mo Okt 03, 2016 2:09 pm

Liebe Galina,

ich wünsch Dir weiterhin viel Erfolg bei dem Eliminieren von angewölften Urinstinkten.

Einem gut sozilisierten Hund machen LKW u.ä. eben KEINE Angst, weil deren Geruch nicht in seinen Instinkten verankert ist. Da ängstigt vielleicht der Lärm o.ä. , da kann man durchaus vermitteln, dass es keine Bedrohung ist.

Das Hunde den/die Menschen überall hin begleiten (müssen), liegt auch am Egoismus des Hundebesitzers. Oder glaubst Du wirklich, dass es einem Hund z.B. auf Jahrmärkten o.ä. besser gefällt als in Wald und Flur :frech: . Es hat sich mir noch nie erschlossen, warum mich meine Hunde auf Shoppingtouren, Weihnachtsmärkte u. ä. begleiten sollen.
LG Stefanie

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Re: Der Pudel und die Raubkatzen

Beitrag von Kruemel » Mo Okt 03, 2016 2:47 pm

Morgana hat geschrieben: Das Hunde den/die Menschen überall hin begleiten (müssen), liegt auch am Egoismus des Hundebesitzers. Oder glaubst Du wirklich, dass es einem Hund z.B. auf Jahrmärkten o.ä. besser gefällt als in Wald und Flur :frech: . Es hat sich mir noch nie erschlossen, warum mich meine Hunde auf Shoppingtouren, Weihnachtsmärkte u. ä. begleiten sollen.
In diese Aufzählung sollte man meiner Meinung nach aber auch unbedingt Hundeausstellungen nicht vergessen. Genau mit der Begründung, die im ersten Satz schon genannt ist!

Sorry für's OT, aber dieser Gedanke drängte sich mir gerade auf.
Herzliche Grüße,
Sasha

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Re: Der Pudel und die Raubkatzen

Beitrag von galina » Mo Okt 03, 2016 5:36 pm

morgana: :-) ehrlich gesagt, mein urpudeliger Wolfsaspirant liebt es mehr als ich, nach ruhigen Tagen in unserem Haus im Wald, endlich mal wieder städtische Äkschen erleben zu dürfen...

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Re: Der Pudel und die Raubkatzen

Beitrag von Roosie » Di Okt 04, 2016 8:20 am

:shock:
Hui, so viele kontroverse Reaktionen. Ich hab mir jetzt länger überlegt, was ich jetzt dazu schreibe - aber ich glaube, ich belasse es jetzt mal bei einem persönlichen Fazit:
Ich bin mir bewusst, dass Zoobesuche und Co. keine natürlichen Situationen für den Hund darstellen und dass der Hund bei freier Wahl sicher anderen Hobbys nachgehen würde. Wenn ich in den Zoo gehe, ist das normalerweise zu MEINEM Vergnügen gedacht. Mein Mann und ich sind jung und sozial gut vernetzt und unser Leben sieht so aus, dass wir viel mit Leuten unterwegs sind. Gestern z.B. waren wir mit Freunden zum ersten Mal auf einem Bogenschießparcour. Jasper ist den ganzen Parcour, in dem auf 3D-Tiere aus Gummi geschossen wurde, an der kurzen Leine (nach Vorschrift) mitgelaufen. Und genau so gibt es auch in Zukunft immer wieder diese für ihn unnatürlichen und ungewohnten Situationen, denn nur wegen dem Prädikat "Hundebesitzer" möchten wir nicht auf alles andere, was Spaß macht, verzichten. Für mich ist es übrigens keine Lösung, Jasper gar nicht mehr mitzunehmen. Denn ich finde es fast unnatürlicher, wenn er dann an (für uns) schönen Ausflügen nicht mit seinem Rudel mitkommen darf und stundenlang alleine zuhause sein muss (was er ja kann und auch immer wieder mal muss - aber wo ich es vermeiden kann, da vermeide ich es!). Ja, und daher war ich am Sonntag im Zoo - ich hatte Ruhe und Zeit, um ihn mal wieder an einer neuen Situation zu "testen" und heranzuführen, denn gerade beim Zoo hatte ich so meine Vorahnung und ich hätte das ungern zum ersten Mal ausprobiert, wenn wir mit Freunden dort hingegangen wären - denn dann hat man eben oft keine Ruhe und Zeit. Aus Unkenntnis habe ich dann zu viel von ihm verlangt, indem ich mit Jasper in der Nähe von den Raubkatzen war. Ich wusste schlicht und einfach nicht, welche Reaktion das auslösen kann - und gerade dort hielten sich auch viele andere Hunde auf, sodass ich damit absolut nicht gerechnet habe. Mir geht es nicht darum, dass ich einen Urinstinkt zerstöre, sondern, wie Galina schrieb, dass ich lerne, wie ich in so einem unvorhergesehenen Moment richtig reagiere und zu Jasper durchdringe, ihn ansprechbar halte. Man kann nämlich (zumindestens in unserem Leben) nicht alle erschreckenden Situationen vorhersehen und vermeiden. Bevor jetzt die Frage kommt, warum wir uns zu unserem turbulenten Leben gerade JASPER ausgesucht haben und keinen standfesten Herdenschutzhund oder was weiß ich: Meinen ersten Pudel habe ich im ZOO kennengelernt - und zwar als sehr robusten, kleinen, taffen Begleiter. Wir haben unseren Züchtern unser Leben offengelegt und gemeinsam damals Jasper als den passenden ausgesucht. Aber wer kann schon bei einem Welpen alles voraussehen? Dass er ein sehr vorsichtiger Typ ist, kam erst später raus, da war er schon "unserer". Vielleicht tut es ihm sogar gut, dass er bei uns ist und vieles kennenlernen darf, denn durch unser Vorgehen, ihn trotzdem zu allem möglichen mitzunehmen und heranzuführen wird er ja auch zusehends mutiger. Aber manchmal geht's halt mal in die Hose, so wie beim Löwen.

So, jetzt aber nochmal zum Thema, was man tun kann: Danke erst mal für die Anregungen :-)
Ich habe, Galina, gleich mal recherchiert nach so einem Beruhigungssignal und habe in den Unterlagen von meiner Trainerin noch was zu einem Enstpannungssignal gefunden. Damit habe ich gestern angefangen und bin mal gespannt, wie das wirkt. Angeblich soll nach ein paar Tagen ein Einsatz möglich sein - so schnelle Erfolge erwarte ich jetzt mal nicht, aber wir üben jetzt öfter am Tag: Ich kraule Jasper in die Enstpannung und sage dann dabei immer mal wieder das "Entspannungssignal". Ich bin auf die Wirkung gespannt :D
Was das Schönfüttern angeht: Im Nachhinein fand ich es auch dumm, dass ich mit Futter gekommen bin in der Situation. Ich glaube aber, er hat das gar nicht wahrgenommen, er war ja ziemlich kopflos. Werd ich aber in Zukunft nicht mehr einsetzen, wenn es "zu spät" ist. Da habt ihr alle Recht: Da muss man viel besser überlegen vorher, als ich es in dem Moment getan habe!

edit: Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, wir schleppen Jasper lediglich zu "für uns" schönen Ausflügen mit. Wie oft gehen wir ausgiebig wandern, Dummysuchen, wie oft muss mein Mann sich im Gebüsch irgendwo bei jedem Wetter verkriechen, um sich von Jasper begeistert finden zu lassen, wir planen unseren kompletten Urlaub so, dass es für uns ALLE schön ist, ...
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weißtiger
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Re: Der Pudel und die Raubkatzen

Beitrag von weißtiger » Di Okt 04, 2016 10:08 am

Hallo!
So ziemlich dasselbe ist mir mit meinem KP Rio im Tierpark BErlin passiert! Wir standen in gutem Abstand (so ca. 10 - 15 m) zu einem Leopardengehege, das auch noch verglast war. Die große Miezekatze hatte Babys und nur kurz in unsere Richtung gefaucht. Meinen Oldie Jimmi hat das recht kalt gelassen, aber Rio hat angefangen zu zittern, Schwanz runter, und wollte nur noch raus. Bis ich dann natürlich auch, er hat draußen dann zwar aufgehört zu zittern, aber der Schwanz war noch eine geschlagene Stunde unten. Er ist ansonsten zwar vorsichtig, aber kein ängstlicher Typ. Bei den anderen Tieren hat nicht besonders reagiert. Hauskatzen kennt er auch und die sind ihm wurscht. Ich denke, ich gehe mit ihm nicht mehr in einen Tierpark mit Raubkatzen, so eine Angst braucht er nicht mehr auszuhalten!
LG Gina

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Re: Der Pudel und die Raubkatzen

Beitrag von galina » Di Okt 04, 2016 2:54 pm

Liebe Roosie,
ich kann deine Sorge gut nachempfinden. Meine erste Hündin hatte, als sie zu mir kam, nicht nur Angst, sondern Panik vor allen möglichen Umweltreizen; Geräusche, Menschen, andere Hunde, große Plätze, Autos, Züge sowieso. Es gab bei ihr gar keine Chance, sie an diese Dinge zu gewöhnen, weil sie sofort unansprechbar war.
Es ging dann in ihrem extremen Fall nur mit einer gezielten Desensibilisierung, aber es ging. Und zwar gut. Sie hat sich ab ungefähr ihrem zweiten Lebensjahr weitgehend angstfrei bewegen können und ich kann mich an keine Situation erinnern, die ich noch hätte vermeiden müssen. Selbst Silvester war kein Problem mehr.
Und im Zoo waren wir auch mehrfach;-)
Ich glaube, Jasper hat großes Glück mit euch. Niemand kann alles vorhersehen und ihr macht das doch alles sehr vernünftig und durchdacht.

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