Problemhund übernehmen?

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Lydia85
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Problemhund übernehmen?

Beitrag von Lydia85 » Sa Aug 11, 2018 2:46 pm

Ich muss mal meine Gedanken bei euch los werden...

Wir haben eine Bekannte die etwa 80Jahre alt ist und einen Toypudel und nen Chihuahua hat.
Sie hat keine Verwandte oder wirkliche Freunde. Wir sind praktisch so die einzigen die sich kümmern.

Vor kurzen hat sie so durch die Blumen gefragt ob wir die Hunde holen würden wenn sie mal nicht mehr ist...

Das Problem.... Beide Hunde, vor allem der Pudel, Polly, ist einfach nur ein einziges Chaos. Ich hab zwar mit so was nicht viel Erfahrung, aber ich denke man kann sie mit einem Tierschutzhund oder einer Sicherstellung vergleichen.

Als Fremder würde man sagen, da ist nix mehr zu machen. Ich war vor einigen Wochen so nett und bin zwei Tage mit ihr Gassi gegangen. Sie war so verängstigt, dass ich sie mit einer Schlaufe von der Couch pflücken musste.

Die Zusammenfassung der kleinen Polly könnte man so schreiben. Sie ist ne einzige Baustelle!!! Nur Angst, kennt nix, gar nix, nicht stubenrein und am liebsten wäre sie nicht auf dieser Welt :oops:

Mein Mann hat gleich gesagt, das kommt ihm nicht in die Tüte. Ich dagegen, bin da so der Retter-Typ. :frech:

Jetzt war ich am überlegen ob es ne Idee wäre zumindest einmal die Woche die kleine Maus zu mir zu holen oder Gassi zu gehen. So würde sie mich wenigstens schon mal kennen und man könnte zumindest vorübergehend helfen wenn es soweit ist.

Wobei mein Hintergedanken ja schon ist, vielleicht würdet sie ja werden.... :wink: sie kann trotz allem so ne Zuckermaus sein.

Ich bin mir nur nicht sicher ob mir wirklich klar ist auf was ich mich da einlasse...

Ich weiß auf die Entfernung ist so was immer schwer, aber was wären so eure Gedanken dazu?

PudelmonsterBeni
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Re: Problemhund übernehmen?

Beitrag von PudelmonsterBeni » Sa Aug 11, 2018 2:55 pm

Hunde aus dem Tierschutz oder aus Sicherstellungen sind nicht automatisch Problemhunde ;) das nur, weil ich dieses Klischee immer wieder höre und es im Tierheim tagtäglich widerlegt bekomme...

Es ist wirklich schwer zu beurteilen, aber ich denke deine Überlegung sie einmal die Woche zu euch zu holen ist gar nicht so schlecht. da kann man dann auch recht gut sehen, inwiefern sie sich vllt an euer Leben anpasst und die Haltung ist so extrem stark auswirkend auf das Verhalten, dass es bei ordentlicher Haltung komplett anders sein kann..
Zum Testen ist das denk ganz gut.
Omi oder Opi Hunde haben ja oft nicht so die Führung die sie bräuchten und blühen dann förmlich auf, wenn sie einfach nur Hund sein und Erziehung genießen dürfen..
Ist der Chihuahua auch so? oder ist die bisschen selbstsicherer?

und wer weiß, vllt ist Oskar ja auch ne kleine Unterstützung? der ist ja eigentlich ganz entspannt oder?
Lisa mit Beni im Herzen ❤

"Richtig abgerichtet, kann ein Mensch der beste Freund eines Hundes sein." -Corey Ford

Lydia85
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Re: Problemhund übernehmen?

Beitrag von Lydia85 » Sa Aug 11, 2018 4:59 pm

PudelmonsterBeni hat geschrieben:
Sa Aug 11, 2018 2:55 pm
Hunde aus dem Tierschutz oder aus Sicherstellungen sind nicht automatisch Problemhunde ;) das nur, weil ich dieses Klischee immer wieder höre und es im Tierheim tagtäglich widerlegt bekomme...

Es ist wirklich schwer zu beurteilen, aber ich denke deine Überlegung sie einmal die Woche zu euch zu holen ist gar nicht so schlecht. da kann man dann auch recht gut sehen, inwiefern sie sich vllt an euer Leben anpasst und die Haltung ist so extrem stark auswirkend auf das Verhalten, dass es bei ordentlicher Haltung komplett anders sein kann..
Zum Testen ist das denk ganz gut.
Omi oder Opi Hunde haben ja oft nicht so die Führung die sie bräuchten und blühen dann förmlich auf, wenn sie einfach nur Hund sein und Erziehung genießen dürfen..
Ist der Chihuahua auch so? oder ist die bisschen selbstsicherer?

und wer weiß, vllt ist Oskar ja auch ne kleine Unterstützung? der ist ja eigentlich ganz entspannt oder?

Ja da hast du Recht, so allgemein kann man das mit den Tierschutzhunden nicht sagen, sorry! :streichel:

Die Chihuahua Hündin ist reserviert und ängstlich und orientiert sich stark an Polly. Ich denke für sie wäre es besser wenn sie nicht zusammen irgendwo hin kämen.

Das größte Problem für meinen Mann wäre wohl die Stubenreinheit, wenn die bleiben würde....zumal unser Laminat sehr feuchtigkeitsempfindlich ist.

Aber schön zu hören, dass ich mit meiner Idee nicht ganz auf dem falschen Dampfer war. Dann schau ich mal wie und wann ich das in den nächsten Wochen in unseren Zeitplan einbaue.

Vielen Dank schon mal.

Und vielleicht hat ja sonst wer noch Gedanken dazu.

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Hauptstadtpudel
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Re: Problemhund übernehmen?

Beitrag von Hauptstadtpudel » Sa Aug 11, 2018 10:03 pm

Hmm, ich finde es problematisch, wenn dein Mann es nicht möchte.
Das baut innerfamiliär ganz schön Druck auf. Wenn es nicht gut läuft (und damit ist anfangs ja zu rechnen) gerätst du vielleicht in ein Dilemma.
Nun kann ich eure Beziehung natürlich nicht beurteilen, aber auch beim Einzug eines unkomplizierteren Vierbeiners sollten alle Familienmitglieder dafür sein, oder zumindest keiner dagegen.

Und wieviel Zeit und Kraft und Nerven für Polly du hast, kannst nur du beurteilen. Über Angsthunde weiß ich leider gar nix. Habe mal gehört, dass sie schwer zu "therapieren" sind und manchmal nur sehr kleine Fortschritte in einem recht langen Zeitraum machbar sind. Manche verändern sich trotz großer Bemühungen kaum.
Könnte sie dann trotzdem bleiben?
Wie ist es mit Urlaub, könntest du dir vorstellen, dass sie das später mal mitmachen würde - oder dass sie in der Zeit woanders gut hin könnte?

Euer Umfeld würde passen?

Testwoche ist vielleicht eine gute Idee.
Wenn es aber letztlich gar nicht in frage kommt, würde ich es nicht machen, weil es die kleine Polly dann vielleicht eher durcheinander bringt.
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Hauptstadtpudel
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Re: Problemhund übernehmen?

Beitrag von Hauptstadtpudel » Sa Aug 11, 2018 10:06 pm

Eine (von wahrscheinlich vielen) interessante Seite dazu:

https://www.angsthund.de/
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Xanny
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Re: Problemhund übernehmen?

Beitrag von Xanny » So Aug 12, 2018 7:30 am

Ich finde die Idee, dass Du Polly ganz langsam an eine Umwelt gewöhnst, die sie anscheinend nicht kennt, sehr gut. Ich habe so einige Tierschutzhunde kennengelernt, die nichts kannten: kein Treppensteigen, keinen Fernseher, keinen Staubsauger, etc. Sie hatten eigentlich vor jedem und allem Angst. Bis auf sehr wenige Ausnahmen sind daraus wunderbare Familienhunde geworden :!: :D Die Kleine hat also eine Chance verdient!
Meiner Erfahrung nach würde ich mit Polly wie folgt verfahren:
Ich würde sie nicht gleich mit zu Euch nach Hause nehmen. Das wäre zu viel Stress auf einmal. Ich würde anfangen, regelmäßig mit ihr spazieren zu gehen. Dabei solltest Du mit kleinen Runden anfangen und jedes Mal die gleiche Runde laufen, damit Polly die Möglichkeit hat, sich an Geräusche und an ein unbekanntes Umfeld zu gewöhnen.
Bei Panikhunden sichern wir sie meistens sowohl mit einem Geschirr als auch mit einem Halsband. Die Leine wird dann sowohl am Geschirr als auch am Halsband festgemacht. Windet sie sich nämlich aus Panik beispielsweise aus dem Halsband, hast Du sie immer noch am Geschirr.
Ich würde draußen dann schon mal anfangen, sie aus der Hand zu füttern. Vielleicht kann Dir die alte Dame sagen, was Polly am liebsten fressen mag.
Wenn Du das Gefühl hast, die Kleine wird sicherer (Rücken wird ganz langsam gerader, Schwanz ist nicht mehr nur noch zwischen den Hinterbeinen eingeklemmt), dann würde ich Oscar auf die üblichen Spaziergänge mitnehmen. So selbstsicher und ruhig ich Oscar kennen gelernt habe, wird er für Polly eine enorme Hilfe sein. Du wirst merken, dass sich die Kleine viel von ihm abschauen wird.
Darum würde ich mir über die Stubenreinheit keine Gedanken machen. Sie wird sich bei Oscar abschauen, dass sie ihr Geschäft draußen zu erledigen hat. Und in diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass sie draußen dann auch "ihre" Runde bereits kennt, um angstfrei absetzen zu können. Wenn Du sie dann Zuhause hast, würde ich anfangs alle zwei Stunden mit ihr und Oscar raus gehen. Natürlich kann man aber nicht ausschließen, dass es anfangs zu kleineren Missgeschicken kommt. Bis auf Leo (das ist eine Geschichte für sich), sind alle Straßenhunde und Tierheimhunde, die im Tierheim groß geworden sind, alle stuberein geworden und wenn ein sicherer Ersthund wie Oscar da war, dann innerhalb kürzester Zeit.
Wenn das mit Oscar gut auf den Spaziergängen funktioniert, würde ich Polly erst mit zu Dir nach Hause nehmen und zwar so, dass Du mit Oscar und ihr gemeinsam in Eure Wohnung geht.
Es kann sein, dass sie panisch wird. Behalte sie deshalb vorsichtshalber an der Leine und gieb ihr Zeit, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Es kann aber auch sein, dass Oscar ihr bereits so viel Sicherheit gibt, dass sie wie ganz selbstverständlich mit ihm mit stiefelt. Aus meiner Erfahrung wirst Du soundso merken, dass sich Polly eher an Oscar, als an Euch menschlichen Wesen orientieren wird.
Ich würde bei Polly noch auf einen Aspekt achten. Wenn sie ihre Angst damit kompensiert, dass sie nach vorne geht (nach dem Motto, Angriff ist die beste Verteidigung), dann würde ich es mit einem Mann, der eher skeptisch ist und Deinen beiden Kindern nicht riskieren. Wenn Polly ihre Angst aber so kompensiert, dass sie sich zurück zieht, dann hast Du gut Chancen, aus ihr einen entspannten Familienhund zu machen.
Und dann bedenke bitte, dass Polly Zeit und Geduld brauchen wird und dass sie nicht so ein Selbstläufer sein wird, wie Oscar. Oscar wird ihr aber eine enorme Hilfe sein :!:
Kerstin mit Leo, Lulu, Roxi und Enno :)

Lydia85
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Re: Problemhund übernehmen?

Beitrag von Lydia85 » So Aug 12, 2018 11:35 am

Ich danke euch, besonders dir Kerstin, das bringt mich schon mal weiter.

Einige Dinge hatte ich nicht so auf dem Schirm, andere schon.

Also bei Femden geht sie schon nach vorne.
Als ich Kira (meine Tochter) zum Spazieren gehen dabei hatte ging das aber ohne Probleme. Also draußen...

Ich denke fast so richtig beurteilen kann man das dann erst wenn man konkret in der Situation steckt.

Dann werde ich sie wohl öfter mal abholen und bei uns immer ne kleine Runde gehen. Dann würde sie hier schon mal ein Stück Wald oder Siedlung kennen.

So ein bisschen was weiß ich ja wo sie herkommt und wie sie großgeworden ist.

Ziemlich isoliert. Der Besiter der Elternhunde ist alleinstehend und arbeitet 12 Stunden am Tag. Keine Familie oder sonst wie viel Freunde (Besuch)...

Also gehe ich davon aus, dass da so ziemlich keine Sozialisation sattgefunden hat. Noch dazu kommt da sehr alt eingefleischte Meinungen...

Und dann eben zu einer alten Dame, die ebenfalls alleine ist, nicht viel unterwegs, wo niemand groß zu Besuch kommt. Außer einer Bekannten im Haus. Da sind die beiden auch ganz fröhlich und aufgeschlossen, die kennen sie.

Naja zum Glück ist das kein Notfall jetzt. Aber es war gut das bei euch loszuwerden und bisschen Tipps zu bekommen. Vielen Dank.

Malu
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Re: Problemhund übernehmen?

Beitrag von Malu » So Aug 12, 2018 12:28 pm

Hallo Lydia,
ich habe inhaltlich zwar nicht viel beizutragen, wollte dir aber sagen, dass ich es toll finde, dass du dich erstens um die ältere Dame kümmerst und dir zweitens Gedanken darum machst, wie du den Hunden einen eventuellen Umzug zu dir ermöglichen könntest. Es gibt viel zu viele alte Menschen, um die sich niemand mehr schert und zu viele Hunde/Katzen/Vögel/Tiere allgemein, die nach deren Tod völlig verunsichert im Tierheim landen. Und dort würde es den beiden (ob der sehr viel größeren Veränderung nach dem Tod der alten Dame hin in eine völlig veränderte Umgebung im Tierheim) sicherlich alles andere als gut gehen.
Zu deiner Situation und der deiner Familie im Ungang mit solchen Hunden kann ich wie gesagt nichts beitragen. Aber ich habe großen Respekt davor, dass du es versuchen magst und würde es auch tun.

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Hauptstadtpudel
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Re: Problemhund übernehmen?

Beitrag von Hauptstadtpudel » So Aug 12, 2018 1:12 pm

Mit der Kleinen etwas zu unternehmen und raus zu gehen halte ich in jedem Fall für eine gute Idee! :D
Vielleicht ist es ja möglich für den Chi auch etwas ähnliches zu organisieren?
Es ist ja zu erwarten, dass nicht unbedingt beide zusammen vermittelt werden können.

Viel Erfolg mit Polly!
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Re: Problemhund übernehmen?

Beitrag von Thalassa » So Aug 12, 2018 3:23 pm

Ich finde es auch toll, dass du dich um die Hunde der alten Dame kümmerst, und dass dir das Angstmäuschen so am Herzen liegt.

Allerdings ist es mit einem Angsthund wirklich nicht einfach. Ich spreche aus Erfahrung, denn Ella ist auch, in Gewisser Hinsicht ein Angsthund. Ich habe, für mich festgestellt, dass ich mich wahrscheinlich nicht mehr dran wagen würde.
Ella ist jetzt im 5. Jahr bei uns, und viele Dinge haben sich sehr zum Besseren gewendet. Aber gewisse Ängste hat sie immer noch, und die kommen manchmal einfach hoch. Da muss noch nicht mal ein Grund vorhanden sein. Oder ich sehe, höre oder rieche den Grund nicht. Da genügt ein Geräusch, das ich vielleicht gar nicht wahrnehmen kann, ein Geruch, eine Erinnerung an etwas - und nix geht mehr.
Ich kam schon in Situationen, wo Ella einfach "dicht" gemacht hat, und wir nur noch einpacken und nach Hause fahren konnten. Denn Tragen geht nicht, und sie war nicht zu bewegen, auch nur einen Schritt zu machen. Nur noch "heim", in die sicheren 4 Wände. Oder ins Auto, aus dem sie dann nicht mehr aussteigen wollte.
Und dabei ist Ella noch ein "einfacher" Angsthund. Sie hat nie in die Wohnung gemacht, hat sich in der Wohnung frei bewegt und ich konnte sie berühren und ihr auch die Haare schneiden, sie geht überall hin mit und fremde Umgebung macht ihr nichts aus. Aber nur mit mir, mit sonst niemandem.

Der Umgang mit Angsthunden bedarf sehr, sehr, sehr viel Geduld, Einfühlungsvermögen, Improvisationstalent, und Nerven wie Drahtseile, weil man nie weiß, was daherkommt. Ich musste ganz schön viel dazulernen, und das war mit meinem Mann auch nicht immer einfach. Denn Dinge, die man vielleicht selbstverständlich erwartet, können überhaupt gar nicht funktionieren. Und das macht die Sache nicht einfacher.

Wenn du die Kleine öfters siehst, bzw. dich mit ihr abgibst, wirst du sie vielleicht ein wenig einschätzen können. Aber wirklich erkennen, ob es funktioniert, wirst du erst, wenn sie wirklich bei euch eingezogen ist.
Aber vielleicht kannst du ja wirklich schon im Vorfeld erkennen, wie sie wirklicht tickt - aber einfach dürfte es nicht sein, wenn sie, wie du es beschreibst, wirklich nichts kennt und immer in reizarmer Umgebung ohne Umwelteinflüsse und Beschäftigung aufgewachsen ist.

Meine Ella war die ersten 4 einhalb Jahre ihres Lebens mit 8 anderen Hunden in einer Wohnung eingesperrt. Sie kannte auch nichts - aber das habe ich erst gemerkt, als sie schon bei uns gewohnt hat. Fremde Hunde, Menschen, Fahrräder, waren Todfeinde, die man am besten gleich vernichtet, bevor sie auf dumme Gedanken kommen. Damit war ich am Anfang ganz schön überfordert, weil ich gar nicht wusste, was ich tun sollte. Ich habe mir damals Hilfe geholt, und ich bekam auch wirklich gute Tipps, die geholfen haben. Inzwischen sind dieses Dinge kein Thema mehr. Aber geblieben sind die "Flashbacks", die Ängste, die plötzlich wieder auftauchen ohne Vorwarnung. Aber damit gehen wir auch um - das ist meine Lebensaufgabe mit diesem Hund.

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Re: Problemhund übernehmen?

Beitrag von JohnnyP » Do Aug 16, 2018 9:51 am

Erstmal toll, dass Du helfen willst. Dann ein, es ist nicht unmöglich das hinzubekommen, allerdings sind Pudel einfach hartnäckiger in Angst als andere Rassen.

Ich habe Vito ja auch von 80 Jährigen, kaum sozialisiert und eben auch sehr ängstlich übernommen. Einzig stubenrein war er.
Ebenfalls war mein erster Hund eine wahrlich panische 5,5 Jahre alte Laborbeagle Zuchthündin. Sie biss sich bei der Rettung ihre Schneidezähne am Kennel aus. Nur soviel zum Thema Angst.

Mein rumänischer Angsthund , hat sich wochenlang nicht getraut zu pinkeln, wenn nicht eine Bezugshündin aus dem Tierheim in der Nähe war.

Allle haben den Weg in ein normales Hundeleben geschafft. Es hat Nerven gekostet, es war nicht immer einfach, aber es hat sich gelohnt.

Nur um auch diese Komponente mal angesprochen zu haben. Bei Angstzuständen kann man gut mit CBD Öl zB etwas Entspannung bringen. Ebenfalls helfen solche Thunder Shirts , oder eben auch Pullis oder Mäntelchen die gut sitzen weiter.

Ein Mittel, welches wir im Tierschutz oft den traumatisierten Hunden geben ist Zylkene. Das Arbeitet mit Stoffen die dem Welpen beim Säugen ein gutes Gefühl verbreiten. Somit auch vollkommen unbedenklich.

Meiner Pointer Hündin die meine Wohnung komplett zerlegte beim alleine bleiben, half nach 6 Monaten ohne Besserung mit anderen Maßnahmen nur noch ein Psychopharmaka namens Glomicalm. 3 Monate diese Tabletten und der Rest des Hundelebens war alleine bleiben kein Problem mehr. War aber wirklich die letzte Lösung, nachdem selbst die Tierphsychologen und Tellington Touch Massagen etc nichts gebracht haben Das Mittel entspannt wohl sehr gut.

Ich möchte nur ausdrücken, dass es viele Wege gibt auch einem Angsthund zu helfen.

Vito ist sicher nie ein total selbstsicherer Hund gegenüber fremden Menschen, aber er lebt nicht in Angst, sondern genießt das Leben.

Viel Erfolg bei deiner Hilfe.

caramia
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Re: Problemhund übernehmen?

Beitrag von caramia » Do Aug 16, 2018 2:19 pm

Das Zusammenleben mit Angsthunden kann aber auch problematisch sein und sie gehören definitiv in erfahrene souveräne Hände. Angst löst Stress aus , der wiederum den Cortisolspiegel erheblich steigen lässt . Unter einem erhöhen Cortisolspiegel kann der Hund schwer oder gar nichts aufnehmen oder sogar lernen. Erst vor kurzen habe ich einen Mann mit einen Angsthund aus dem Ausland kennengelernt . Er war mit 3 Hunden unterwegs und wie ich dem Gespräch entnahm keinesfalls ein Neuling . Dieser besagte Angsthund lebte schon über 4 Jahre bei ihm und 2 weiteren souveränen Artgenossen . Und dennoch war an Freilauf nicht zu denken , er war meistens ausserhalb seiner gewohnten Umgebung nicht ansprechbar , lebte ich seiner eigenen angstgeplagten Welt und diesem Hund was beizubringen unmöglich . Natürlich ist es immer von Hund zu Hund abhängig , und pauschal kann und darf man da keine Prognose abgeben. Oft erreicht man man extremen Angsthunden allerdings nur die Spitze des Eisberges
Mein Herz bellt :D
Doris

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Re: Problemhund übernehmen?

Beitrag von Lydia85 » Di Jan 14, 2020 11:47 am

Hallo ihr Lieben!

Ich melde mich mal wieder zu diesem Thema.

Das mit den regelmäßigen Gassigängen hat leider nicht geklappt, da der Fahrtweg so ewig lange ist und sich das schlecht mit meinem Alltag vereinbaren lässt.

Jetzt haben wir wieder eine größere Aktion bei der wir gerne helfen würden.

Die Dame ist im Mai für ne Woche nicht zu Hause und ihre Hunde kann sie leider nicht mitnehmen.
Eine Pension für diesen Zeitraum ist mega teuer, deshalb überlegen wir als Familie ob wir die zwei "Problemzwerge" 😂 nicht zu uns nehmen sollen😬.

Die größte Sorge macht mir die Stubenreinheit und das Handling hier zu Hause, weil sie ja nicht immer so lieb ist.

Ich dachte an eine große Box für die Nacht und wenn ich doch mal die Wohnung verlassen muss oder so.

Wir würden gerne zuerst mal zwei Tage und eine Nacht als Probeaufenthalt machen um zu schauen ob ihr Verhalten für uns zu machen ist.
Könnt ihr mir dazu evtl nochmal eure Gedanken mitteilen?

Ansonsten wären wir eher bereit einen Teil der Pensionskosten zu tragen.

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Bupja
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Re: Problemhund übernehmen?

Beitrag von Bupja » Mi Jan 15, 2020 2:15 pm

Ohne 2 bis 3 Probetage würde ich da überhaupt nichts zu sagen.

Ansonsten find ich die Box für eine kurze "Aufbewahrungszeit" durchaus legitim, wenn die Krawallschachteln sich sonst nicht benehmen können.

Möglich wäre aber auch, dass sie sich bei euch ganz anders verhalten als zu Hause. Deshalb würde ich das in jedem Fall vorher testen.

Und grade bei euch im Hochhaus finde ich das Unsauberkeitsproblem schon nervig. Da ist man ja halt nun mal nicht eben schnell draußen. Das würde ich mir in jedem Fall vorher anschauen wollen, wie schlimm es tatsächlich ist.

Wie findet Oskar die 2 Damen denn?
Viele Grüße Daniela und die Schnubbels
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nase
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Re: Problemhund übernehmen?

Beitrag von nase » Do Jan 16, 2020 6:58 am

Ich finde deinen Einsatz sehr heldenhaft!
Weißt du denn, ob die beiden gut allein bleiben können? Wenn nicht, könnte das durchaus zu erhöhtem Diskussionsbedarf mit den Nachbarn führen.
LG, Birgit, Kalle und Pedro

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