Wie gesund ist die Rasse Pudel?

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Isi
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Wie gesund ist die Rasse Pudel?

Beitrag von Isi »

Der sogenannte Qualzuchtparagraph und die neue Hundeverordnung, die am 1.1.22 in Kraft getreten ist, hat Diskussionen angestoßen.
Hier ein Link zur Qualzuchtthematik (da wird auch der Paragraph zitiert, etwas runterscrollen): https://www.erna-graff-stiftung.de/qualzucht/

Nun frage ich mich:
Wie gesund ist der Pudel?
Gibt es Anzeichen zur Qualzucht?
Welche Erbkrankheiten existieren und wie geht man mit denen um?

Ich denke dabei an Rasseliebhaber:innen, die gerne auf verantwortungsvolle Weise einen Pudel anschaffen und halten wollen.

Es wäre schön, wenn wir hier schonungslos offen und doch freundlich miteinander "reden".
...mit Großpudel Greta *11.5.21 an der Seite und Joy im Herzen.

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Pat
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Re: Wie gesund ist die Rasse Pudel?

Beitrag von Pat »

So rein vom Bauchgefühl sage ich: der Pudel ist grundsätzlich ein eher gesunder Hund.
Zu den Erbkrankheiten kann ich nicht so viel beitragen, da gibt's hier bessere Expert:innen.
Aber ich würde auch mal gerne das Thema Magenprobleme und Allergien einwerfen.
Das finde ich beim Pudel schon etwas auffällig, wie viele ich kenne die spezielles Futter bekommen, Unverträglichkeiten haben, viel mit Durchfall und Erbrechen kämpfen. Ich bin vielleicht hier etwas in einer 'Rasse-Bubble' aber im Vergleich zu anderen Rassen im Freundes/Familienkreis finde ich es schon vermehrt.
Pat mit Großstadt-Kleinpudel Bobby ♡
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Pudeljungs
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Re: Wie gesund ist die Rasse Pudel?

Beitrag von Pudeljungs »

Ich habe ja seit 35 Jahren Pudel und ich muss sagen, mein 1. Zwergpudel war der gesündeste Pudel von allen. All meine Pudel kommen/kamen aus seriösen VDH-Zuchten. Mein Kleinpudel, wird 5 Jahre alt, leidet seit einem Jahr unter chron. Ohrentzündungen. Ist wohl Umweltallergiebedingt. Günni mein Zwergpudel, wird 9 Jahre im Okt, leidet immer mal wieder unter Rückenproblemen, hat Paradontitis und das schon seit ganz jungen Jahren. Ihm fehlen inzw. jede Menge Zähne. Meine beiden müssen regelmäßigen zum TA zur Analdrüseentleerung. Das alles kenne ich von meinen anderen Pudeln nicht. Ich habe das Gefühl, die heutigen Pudel sind empfindlicher geworden und nicht mehr so robust wie früher.
Mein Kleinpudel Leon, er verstarb vor 5 Jahren (wurde 14 J). bekam erst im Alter so seine Schwächen. War zum Schluss blind, litt unter einer Niereninsuffzienz und Herzschwäche. Aber bis zum 10. Lebensjahr war er sehr robust und immer gut dabei.

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Andy
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Re: Wie gesund ist die Rasse Pudel?

Beitrag von Andy »

Es gibt ja vier verschiedene Pudelgrößen und in jeder Größe sind bestimmte Erkrankungen, die vermehrt auftreten können. Bei den GP sind es allen voran MA und Sebabitis. Letztere taucht selten auch bei KP auf. MA noch seltener. Eine Patellaluxation taucht nicht bei den GPs auf, aber vor allem bei den Toys und ZP. Und so müsste man jede Pudelgröße separat betrachten. Bezogen auf die GPs ist in jeder Linie MA vertreten. Dadurch, dass eng verpaart wird, nur bestimmte Farben miteinander verpaart werden kann und es noch keinen Gentest auf MA gibt, breitet sich die Erkrankung eher weiter aus als dass sie eingedämmt wird. Die Doodlelei trägt noch weiter dazu bei, dass sich die Erkrankung ausbreitet.
Liebe Grüße, Andrea mit Majken (geprüfte Assistenzhündin)

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Isi
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Re: Wie gesund ist die Rasse Pudel?

Beitrag von Isi »

Inwiefern trägt die Doodlei dazu bei, wenn man davon ausgeht, dass wir hier eher nicht aus Doodlezuchten einen Welpen kaufen, sondern einen reinrassigen Pudel wollen? :n010: Dann bleib ich doch von MA bei Doodlen unberührt - oder steh ich da auf dem Schlauch gerade?

Wir können hier gerne die Erbkrankheiten pro Größe auflisten und besprechen.

Mir geht auch um eine Aktualisierung der Ansichtsweise, um zeitgemäße kritische Sicht auf unsere Rasse.

Ich wollte zB dass bei meinem GP-Welpen mittels Pudeldatenbanken gesunde Elterntiere zusammengebracht werden. Allerdings sind diese Datenbanken nur unzureichend gepflegt, oder?
Würde es nicht auch Sinn machen, wenn wir als Halter:innen der Nachkommen Infos in die Datenbank füttern?
Gerade weil MA und Sebadenitis ja erst auftreten, nachdem die Hunde bei ihren neuen Halterin sind, nicht im Welpenalter.
Gibt es eine systematische Rückmeldung, wenn die Krankheiten auftreten? Wird diese angestrebt?


Die Eltern von Greta haben auch die Laboklin-Tests für Pudel gemacht:
https://laboklin.de/de/leistungen/genet ... ket-pudel/
Darin enthalten:
Degenerative Myelopathie (DM Exon2)
  • schwere neurodegenerative Erkrankung mit spätem Beginn ungefähr ab dem 8. Lebensjahr. Die Erkrankung ist durch eine Degeneration der Axone und des Myelins im Brust- und Lendenteil des Rückenmarks gekennzeichnet, was eine progressive Ataxie und Parese verursacht.
Neonatale Enzephalopathie (NEWS)
  • Fehlbildung des Kleinhirns (die Welpen sterben früh)
Progressive Retinaatrophie* (prcd-PRA)
  • Degeneration der Netzhaut bis zur Erblindung
Progressive Retinaatrophie (rcd4-PRA)
Photorezeptor- Störungen der Netzhaut[/list]
und von Willebrand Erkrankung Typ I (vWD 1)
  • Blutgerinnungs-störung
Ich hatte damit das Gefühl, dass man damit so auf der sicheren Seite ist, wie man nur sein kann (Laboklin-Pudel-Test plus Datenbank) - ginge noch mehr? :n010:


Bei den Toys und ZPs gibt es mitunter auch eine Verzwergungsproblematik, oder?

Und die Zähne sind durch das vergleichsweise schmale Maul aller Pudel auch immer mal wieder ein Problem, im Sinne von nicht genug Platz im Kiefer, bei den Kleinen noch eher als bei den Großen, oder?

Ob stetig nachwachsendes, nicht wetterfestes Lockenfell nicht im Grunde auch ein Qualzuchtmerkmal ist, ist mir auch noch nicht klar :cry:
- Gibt es eigentlich Allergiker geeignete Hunde, bei denen das Haar nicht laufend nachwächst? :n010:
...mit Großpudel Greta *11.5.21 an der Seite und Joy im Herzen.

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Andy
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Re: Wie gesund ist die Rasse Pudel?

Beitrag von Andy »

Mit dem Fokus auf die Doodlelei wollte ich oben auf die hemmungslose und unkontrollierte Verbreitung von MA deutlich machen.
Der GP weist eine genetische Disposition für diese Erkrankung auf. Der Eintrag in die Datenbank ist freiwillig, insofern ist sie unvollständig.
Liebe Grüße, Andrea mit Majken (geprüfte Assistenzhündin)

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Isi
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Re: Wie gesund ist die Rasse Pudel?

Beitrag von Isi »

Ja, aber da hätte man doch einen Anpack, oder nicht?

Die Pudelzuchtverbände könnten doch einen Pflichteintrag in die Datenbank einführen, falls bei einem Hund aus der Zucht (Stammhunde und Nachzuchten) MA oder Sebadenitis diagnostiziert wird.
Die TÄ könnten eine Meldepflicht angezeigt bekommen.

...jetzt mal rumgesponnen, im Dienst der Pudelgesundheit :)
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Pat
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Re: Wie gesund ist die Rasse Pudel?

Beitrag von Pat »

Ich denke für keine Rasse ist es so gut, wenn sie so hoch im Kurs steht wie momentan der (Zwerg/Klein)Pudel.
Es gibt wirklich viele die nicht aus Vereinszuchten mit vielen Auflagen stammen und ich denke auch, dass bei der hohen Nachfrage vielleicht gern mal die ein oder andere (freiwillige) Untersuchung ausgelassen wird. Hauptsache schnell Welpen nachproduzieren. Das macht den Pudel an sich auch eher kranker, fürchte ich.
Pat mit Großstadt-Kleinpudel Bobby ♡
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Samsi
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Re: Wie gesund ist die Rasse Pudel?

Beitrag von Samsi »

Vorweg möchte ich sagen, dass ich den Pudel im Gesamten für eine ziemlich gesunde Rasse halte und die meisten Rassen mit Blick auf die Gesundheit schlechter da stehen dürften. Viele Pudel erreichen erfreuerlicherweise recht fit ein gutes bis stolzes Alter.

Mit kritischerem Blick sind die typischen Erbrankheiten das eine. Da sind die meisten aufgrund der vorhandenen Tests zum Glück aber kein großes Thema (mehr). Bei Morbus Addison und Sebandenitis fehlt es daran leider bisher, deshalb ist es damit ziemlich schwierig. Die Datenbanken sind wie ansgesprochen sehr unvollständig und deshalb auch nicht so hilfreich. Jeder gemeldete erkrankte Hund hilft aber definitiv bei der Zucht. Bei den Kleinen ist die Patellaluxation leider auch nicht so leicht zu verhindern, da es meines Wissens ein multifaktorieller Erbgang ist, ähnlich der HD, und auch durch andere Umstände (Füttern, Haltung, etc.) beeinflusst werden kann.

Das andere wären für mich, mit wirklich pingeligem Blick, Sachen, die meinem subjektiven Eindruck nach durchaus gehäuft beim Pudel auftauchen, aber gar nicht so präsent als Probleme der Rasse sind. Das wäre für mich z.B. die Zahnsteinneigung, die Analdrüsenproblematik, der weit verbreitete empfindliche Magen (Mäkeln kann oft auch ein Zeichen von Magenproblemen sein), Krallen, die sich kaum selber ablaufen, Ohrenentzündungen, Allergien sowie bei den Rüden eine scheinbare Neigung zur -. Außerdem scheinen Herzprobleme sowie Cushing doch immer mal wieder beim Pudel aufzutreten und wir fallen gerade bei den kleinen Pudeln auch immer wieder tränende Augen (verfärbte Augenränder) auf, die für ein Problem in diesem Bereich sprechen. Wobei die letzten Sachen schon eigentlich eher wieder Erbkrankheiten seien dürften. Bei manchen Sachen frage ich mich aber auch, ob das ein Rasseproblem ist oder nicht eher ein generelles Hundeproblem. Allergien scheinen z.B. überall viel häufiger aufzutreten als früher oder man bemerkt es heute nur eher als früher. Und es ist eben eine subjektive und ziemlich pingelige Auflistung und mein Eindruck kann da auch täuschen.
Liebe Grüße,
Steffi mit Paco, Sam und Pepe

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Doro
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Re: Wie gesund ist die Rasse Pudel?

Beitrag von Doro »

Persönliche Erfahrungen
Ludwig gesund bis er von Zecken infiziert wurde
Lemmy,fünf Jahre alt, augenscheinlich gesund
Scatty,neun Jahre alt, augenscheinlich gesund.
Im Freundeskreis ist Zwergpudel Lilly mit den üblichen Alterszipperlein 19 Jahre alt geworden,ihr Nachfolger ist jetzt auch schon 15, dabei alt aber nicht krank.
Mehr Pudel gibt's nicht im direkten Umfeld.
Viele Grüße
Doro

Karin und Yasu
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Re: Wie gesund ist die Rasse Pudel?

Beitrag von Karin und Yasu »

Meine Yasu wird 9 und hat außer mit den Zähnen keine Probleme, toi toi toi.
Grüßle Karin und Yasu

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Tanja aus Haan
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Re: Wie gesund ist die Rasse Pudel?

Beitrag von Tanja aus Haan »

Insbesondere was die Gründe für zunehmende Allergien/Unverträglichkeiten anbelangt, verhält es sich doch bestimmt beim Hund so wie beim Menschen:

- stärkere Umweltbelastung,
- aufgrund (zu🙈) guter hygienischer Bedingungen keine Herausforderung des Immunsystems.

Das hat doch mit Zucht und Genen erstmal (!) Nichts zu tun, meine ich.

Dass Hundehalter heutzutage der Gesundheit (oder provokant: dem Zipperlein) des Hundes viel mehr Bedeutung zukommen, mehr untersuchen/testen lassen, ist darüber hinaus mein persönliches Empfinden.
Viele Grüße aus dem Rheinland
Tanja mit GP Nox (*3.10.18) und Helga (*14.3.14)

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Pat
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Re: Wie gesund ist die Rasse Pudel?

Beitrag von Pat »

Bin ich grundsätzlich bei Dir, Tanja.
Auch denke ich mir: die meisten Hunde bekommen ja auch (woe viele Menschen) Fleisch von Tieren, die nicht glücklich auf der Wiese standen sondern gestresst oder mit Antibiotika oder was auch immer vollgepumpt sind.
Aber: es gibt Rassen, die da weniger sensibel drauf reagieren und nicht so viele Magenprobleme, Allergien und Unverträglichkeiten aufweisen wie Pudel. Das wären dann doch wieder die Gene.

Ich glaube zB auch das Hundekot-Aufheben trägt mehr dazu bei öfter mal wegen 'was am Magen' Schonkost zuzubereiten, oder zum Arzt zu gehen. Vor 30 Jahren hat sich doch niemand ohne triftigen Grund den Kot des eigenen Hundes genau angeguckt, heute passiert das unweigerlich beim Aufheben.
Wahrscheinlich ist es ein Mix aus Beidem. Man achtet mehr auf die Weh-Wehchen, sie nehmen aber auch zu.
Pat mit Großstadt-Kleinpudel Bobby ♡
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Samsi
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Re: Wie gesund ist die Rasse Pudel?

Beitrag von Samsi »

Wenn ich es recherchiere/googele, finde ich reichlich Ergebnisse dazu, dass Allergien schon eine genetische Komponente haben können. Beim Menschen scheint das einiges auszumachen, beim Hund kann es wohl auch eine Ursache sein. Daneben hat meines Wissens auch die genetische Diversität einen Einfluss auf die generelle Anpassungsfähigkeit und bestimmte DLA Haplotypen weisen auf ein erhöhtes Risiko für Autoimmunerkrankungen hin. Bei Rock a Dog Hamburg, Feragen oder UC Davis gibt es ganz spannende Artikel zur genetischen Diversität.

Die Magenthematik erscheint mir auffällig oft beim Pudel und dessen Mixen vorzukommen. Durch den Hundesport habe ich viel mit Haltern unterschiedlichster Rassen zu tun und man kommt immer wieder ins Gespräch. Dabei hatte ich bisher nicht den Eindruck, dass das bei anderen Rassen gehäuft ein Thema ist. Das Mäkeln ist den meisten anderen Hundehaltern auch gänzlich fremd.
Liebe Grüße,
Steffi mit Paco, Sam und Pepe

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txakur
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Re: Wie gesund ist die Rasse Pudel?

Beitrag von txakur »

Isi hat geschrieben:
Fr Jun 17, 2022 12:45 pm
Wir können hier gerne die Erbkrankheiten pro Größe auflisten und besprechen.

Mir geht auch um eine Aktualisierung der Ansichtsweise, um zeitgemäße kritische Sicht auf unsere Rasse.
Ich wollte zB dass bei meinem GP-Welpen mittels Pudeldatenbanken gesunde Elterntiere zusammengebracht werden. Allerdings sind diese Datenbanken nur unzureichend gepflegt, oder?
(...)
Das ganze Datenbankgeraffel ist zwar ganz nett, hat aber jede Menge Pferdefüße. Selbstverständlich funktioniert das für manche Erkrankungen. Klassische, auf EINER Genmutation beruhende Erkrankungen könnte man mit einer Datenbank im Nullkommanix herausfiltern, wenn man wollte. Daraus abzuleiten, dass Datenbanken und Gentests die Problemlösung wären, ist aber wesentlich zu kurz gesprungen - das würde nur gehen, wenn Biologie so funktionieren würde, wie der Mensch das gerne hätte: klare Kausalitäten, im Bereich der Genetik wäre das dann die schon lange überholte Vorstellung, ein Gen (oder ein bestimmter Zustand eines Gens) sei immer ganz genau für eine Sache verantwortlich.
Bedauerlicherweise gibt es aber jede Menge... ich nenn' das jetzt mal nicht Krankheiten, sondern Zustände, die nicht dieser Simplifizierung folgen:
- manche Genmutationen sind in Umwelt A schädlich für den Träger, verschaffen ihm aber in Umwelt B (mutmaßlich der Heimat der Vorfahren des Genträgers) einen eklatanten Überlebensvorteil (Beispiel: Sichelzellanämie, Thalassämie)
- manche Erkrankungen sind durch eine ganze Reihe von Genen verursacht, von denen jedes einzelne für sich vielleicht gar keinen Krankheitswert hat, sondern eher eine Anpassung an Umweltbedingungen ist (Beispiel - noch im "Beweisverfahren", aber die Indizien mehren sich: Psoriasis - Erkrankte haben eine ganze Reihe von Genmutationen, die jede für sich eine verbesserte Immunreaktion in der Haut bewirkt. In der Summe isses dann aber too much, sodass der Körper anfängt, sich selbst anzugreifen.)

Und dann ist da die Tatsache, dass EIN Gen verschiedene Dinge "tun" kann, je nach dem, in welcher Entwicklungsphase und welchem Gewebe es abgelesen wird und wie die beim Ablesen der DNA entstehende prä-mRNA dann weiterverarbeitet wird. So können aus EINEM Gen am Ende unterschiedliche Proteine entstehen, die - logisch - im Körper auch unterschiedliche Funktionen haben.

Schraube ich also durch Zuchtwahl an einer Sache (z. B. der Farbe. Scheckgene, alles was mit Weiß oder Aufhellung zu tun hat...) rum, beeinflusse ich damit also auch andere Dinge. Sinnesorgane, Darmfunktionen, Krebsregulation... Die meisten solcher Zusammenhänge sind noch längst nicht bekannt. Da hilft keine Datenbank "wer hat was", da wäre die Datenbank "wer ist im Alter von 10 Jahren noch am Leben und war immer gesund und leistungsfähig?" viel besser.
Problem: der Mensch hat den Hund mittlerweile in so vieler Hinsicht einer ziemlich kurzsichtigen Zuchtwahl, zumeist ohne sinnvolle Auslese der weiter zu verpaarenden Tiere (=die Auswahl sollte über Leistungsfähigkeit und Gesundheit erfolgen, NICHT über optische Kriterien), unterzogen, dass es nur noch sehr wenige Rassen gibt, in denen die Mehrzahl der Tiere im Alter von 10 noch fit und gesund sind. Geschlossene Zuchtbücher, immer weiteres "aufspalten" von Rassen (Pudel in nicht miteinander zu verpaarende Größen teilen, den schwarz-weißen Farbschlag vom Neufundländer abgekoppelt und Landseer genannt etc. pp.) oder die Schaffung neuer Rassen aus einer sehr begrenzten Zahl von Gründerindividuen.
Womit wir bei einem weiteren Problem wären: die meisten heutigen Rassen sind irgendwann mal durch einen genetischen Flaschenhals gegangen, vulgo: sie waren mal sehr selten und sind dann wieder aufgeblüht. Allerdings ohne dass man die vielen Genvarianten, die durch die Reduktion auf wenige Individuen verloren gegangen sind, zurückbekommen könnte. Die sind halt weg.

Und nu' kommen wir zum Kernproblem: kein normaler Mensch kann/will einen rassetypisch aktiven Malinois, einen Hüte-Border, einen richtig kernigen Owtscharka oder Do Khyi, Husky oder auch "nur" Beagle in seiner jeweiligen Rassespezifität tatsächlich vernünftig auslasten, wenn er nicht gerade diesen Hund zu seinem Broterwerb braucht. Die Hauptanforderung an den heutigen Zivilisationshund ist also einfache Handlebarkeit (größere Zahmheit und bessere Handlebarkeit geht immer mit der Akkumulation von Gendefekten einher, siehe Zuchtfarmen Füchse/Nerze), das zweite Kriterium ist die Optik, d. h. a) Farbe & Fellstruktur (jeweils Defektgene, die Auswirkungen auf andere Körperfunktionen (Sinnesorgane, Verdauungstrakt) haben) und b) Körperbau (Chondroplasien, abnorme Größen mit den entsprechenden biophysikalischen Problemen bei Riesen- bzw. Zwergwuchs, Deformitäten etc.), was zu Erkrankungen des Bewegungsapparates führt. Hundehaltung im großen Maßstab in der breiten Bevölkerung und eine gesunde Hundepopulation schließen sich insofern komplett aus, weil der Mensch nun mal der Mensch ist und seinen Hund gar nicht nach Gesundheit und Leistungsfähigkeit auswählen will, sondern nur danach, ob er hübsch und nett ist.

Nachtrag: ist jetzt irgendwie im falschen Thread gelandet, gehört ja eigentlich mehr so zum "generellen" Teil. Ich lass' es jetzt einfach mal stehen, kopier den Text aber auch rüber, dann kann man da ggf. drüber diskutieren...
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