Fleischverhältnis

Fragen und Tips rund um die Nahrung.

Moderator: Andy

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Bupja
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Fleischverhältnis

Beitrag von Bupja » Mi Okt 12, 2016 5:44 am

Eine gute Bekannte von mir kam letztens von einem Schottland-Wanderurlaub zurück, den sie mit einer Hundeschule gemacht hatte.

Wir trafen uns und sie "überfiel" mich gleich, dass ich total falsch füttern würde.
Die Trainerin, die sowohl die HuSchu als auch den Urlaub leitete sprach von neuen Erkenntnissen und am gesündesten wäre eine Fleischverhältnis 20 (Fleisch):80 (Getreide und Gemüse). Mehr würde sie in gar keinem Fall füttern, das wäre in höchstem Maße ungesund.

Meine Bekannte erzählte dann von mir, ich füttere 70:30 getreidefrei, und die Trainerin schlug wohl die Hände über dem Kopf zusammen. Das wäre viel zu viel Fleischanteil und damit würde ich meine Hunde nervös und hibbelig füttern.

Naja, ich hab mir dann meinen Pjakkur bekuckt, die olle Schlafmütze, und habe mich gefragt, was wohl passieren würde, wenn ich dem Hund weniger Fleisch füttern würde. Ob er dann morgens überhaupt nicht mehr aufsteht? :n010: Ich werde es nicht ausprobieren, würde aber gerne mal wissen, ob jemand von euch das so schon einmal gehört hat.

Mir war dieses Verhältnis bisher nur für kranke/alte Hunde bekannt, aber nicht für Hunde, die voll im Leben stehen.
Viele Grüße Daniela und die Schnubbels
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Tamara
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Re: Fleischverhältnis

Beitrag von Tamara » Mi Okt 12, 2016 7:02 am

Bupja hat geschrieben: Naja, ich hab mir dann meinen Pjakkur bekuckt, die olle Schlafmütze, und habe mich gefragt, was wohl passieren würde, wenn ich dem Hund weniger Fleisch füttern würde. Ob er dann morgens überhaupt nicht mehr aufsteht? :n010: Ich werde es nicht ausprobieren, würde aber gerne mal wissen, ob jemand von euch das so schon einmal gehört hat.
:lol:

Also ich kann nur von meinen Erfahrungen sprechen: Als ich Finn mal zwei Wochen Haferflocken zu gefüttert habe, war er nicht mehr auszuhalten weil er so hochgefahren war. Er findet dann ganz schlecht Ruhe und ist ständig am rennen, rumspringen und kommt gar nicht mehr runter.

Warum ich einem "Fleischfresser" nicht mehr Fleisch füttern soll, ist mir schleierhaft. Vor allem weil die gängige Meinung schon die ist, dass Kohlenhydrate den Hund pushen und nervös machen.
Liebe Grüße
Tamara mit GP Finn und FB Quentin
http://pudel-finn.jimdo.com/
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Andy
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Re: Fleischverhältnis

Beitrag von Andy » Mi Okt 12, 2016 11:41 am

Über solchen Blödsinn kann ich auch nur den Kopf schütteln....bei so einer Ernährung würde ich den Hund krank füttern, schon allein wegen den fehlenden Aminosäuren, die der Hund bei so einer veganen Ernährung erhalten würde....
Liebe Grüße, Andrea mit Majken (geprüfte Behindertenbegleithündin)

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Re: Fleischverhältnis

Beitrag von Hauptstadtpudel » Mi Okt 12, 2016 6:19 pm

Also 80% Fleisch und 20% Gemüse, Getreide - das habe ich schon gehört.
Sicher kein Übersetzungsfehler :n010:

Und das Verhältnis 20/80 kenne ich selbst als Empfehlung für alte/kranke Hunde nicht.
Liebe Grüße, Katja mit Bolle
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Re: Fleischverhältnis

Beitrag von Bupja » Mi Okt 12, 2016 8:27 pm

Nein, kein Übersetzungsfehler.
Meine Bekannt füttert Dose mit einem Fleisch Gehalt von 50%. Selbst das fand die Trainerin zu viel.
Viele Grüße Daniela und die Schnubbels
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Koller
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Re: Fleischverhältnis

Beitrag von Koller » Mi Okt 12, 2016 8:38 pm

Super, dass Du dieses Thema mal ansprichst. Wollte schon längst mal mit Euch darüber "diskutieren". Bei mir im Hundebekanntenkreis und auch in der Huschu und auch im Netz geistern ja so viele verschiedene Theorien herum. Und da ja das Thema Futter (Futterverweigerung bzw. Magenübersäuerung) bei Inuk auch nach über 5 Jahren immer noch oder immer mal wieder ein Thema ist, lese ich mir auch so ziemlich alles durch, was darüber berichtet wird.

Hier ein Artikel über Kohlenhydrate in der Hundeernährung: http://www.lumpi4.de/kohlenhydrate-sind ... uer-hunde/

Und hier ein Artikel über Magenübersäuerung, wo es auch darum geht, welcher Hund, welches Verhältnis von Kohlenhydrate/Fleisch braucht: https://www.myluckydog.ch/blog/magenueb ... -beim-hund

Hier noch ein paar Gedanken von mir zu diesem Thema:

- Fakt ist ja, dass beim Hund 30 Kopien des Gen's, welches für die Amylase zuständig ist, gefunden wurden. Der Wolf hat nur 2 solche Gene. Also von dem her ist ja bewiesen, dass der Verdauungstrakt des Hundes Kohlenhydrate verarbeiten kann. Aber ein Verhältnis von 20 Fleisch : 80 Kohlenhydrate finde ich jetzt doch sehr falsch. Dabei muss ja auch unbedingt beachtet werden, dass je mehr Gemüse (Ballaststoffe) gefüttert werden, umso schlechter wird die Verdaulichkeit der Proteine. Also Gemüse darf auf gar keinen Fall in solch hohen Mengen gefüttert werden.

- Wir haben uns letzthin in der Hundeschule länger über dieses Thema unterhalten und haben uns daran erinnert, dass doch früher die Bauernhofhunde, einfach die Resten vom Tisch bekommen haben. Und zwar ihr ganzes Leben lang, das wohl oft länger gedauert hat, wie das Leben unserer heutigen Vierbeiner. Da ist wohl seltener Fleisch im Napf gelandet. Ausser vielleicht bei den Bauern, die noch selber geschlachtet haben, aber das war in meiner Kindheit bereits bei den meisten Bauern nicht mehr der Fall. Und auch die haben ja nur ab und zu mal geschlachtet und hatten keine Gefriertruhen.

- Mein TA sagte mir, dass seine langjährige Erfahrung zeige, dass man einfach jeden Hund und seine Verdauung individuell betrachten müsse. Einige Rassen, wie z.B. die Retriever oder auch andere Arbeitsrassen hätten zum grossen Teil eine extrem gute Verdauung und können so gut wie alles verdauen. Viele Gesellschafts- und Begleithunde kämen aber in seine Praxis mit massiven Verdauungsproblemen. Ev. wurde für diese Rassen in der Zeit der Domestikation wirklich viel öfter von Tischresten ernährt und sie brauchten daher nicht mehr so gute Verdauungssäfte. Keine Ahnung.

- Als ich mit Inuk bei einer Tierheilpraktikerin war, hat sie alle Futtermittel mittels Pulsdiagnostik und Haaranalyse getestet. Dabei ist unter anderem raus gekommen, dass Inuk rohe Zutaten nicht gut verdauen kann. Mich wunderte das sehr, weil Inuk ja seit Welpe gebarft wird. Ich hatte ja aber selber immer wieder das ungute Gefühl, dass es ihm einfach nicht gut tut. Das Gemüse lege ich schon länger immer kurz in den Dampfkochtopf, weil Inuk sonst extreme Verdauungsprobleme bekommt. Pansen geht gar nicht mehr. Anfangs hatte ich das Gefühl, dass kleine Mengen noch gehen, doch nach den letzten grösseren Problemen im Juli, glaube ich, dass Pansen Inuk überhaupt nicht bekommt.

- Könnte es sein, dass einige Hunde einfach tatsächlich das Barf gar nicht genügend verdauen können? Liegt es dann daran, dass von Welpe an falsch gefüttert wurde? Haben letzthin mal gelesen, dass wenn man dem Hund über längere Zeit das Aldi Futter füttere, dass er dann kein anderes Futter mehr verdauen könne, weil das Aldi Futter so extrem leicht verdaulich sei. Viele Andere wiederum schreiben dazu, dass ihre Hunde mit dem Aldi Futter gesund uralt geworden sind.

- Bei Inuk kommt ja das grösste Problem dazu, dass er ein Futter nur immer eine Zeit lang frisst, dann fängt er an zu mäkeln, dann übersäuert der Magen und der Teufelskreis schliesst sich wieder. Beim Barf bevorzugt er dann einfach tagelang Pouletkarkassen und mal noch etwas gebrateten Fisch und alles mit Gemüse oder so drin, wird dann nicht mehr gefressen. Deshalb steig ich ja auch immer wieder um, weil ich dann bei einem Dosenfutter wie Terra Canis wenigstens weiss, dass wenn er auch nur sehr wenig frisst, er doch wenigstens von allem was hat. Versteht ihr, wie ich das meine? Doch dann gibt es auch wieder Zeiten da nimmt er keinen Bissen Terra Canis oder sonst was. Da brühe ich ihm dann wieder Gehacktes mit etwas Spinat oder so oder Pouletfleisch mit etwas Gemüse. Pouletkarkassen ist glaube ich das einzige Futter, das er so gut wie immer frisst, ausser wenn er wirklich bereits heftige Bauchschmerzen hat.
Liebe Grüsse aus der Schweiz
Corinne und Familie mit
INUK of Flying Curls (Pudel), geb. 27.04.2011
und Objibwa's Hakas-ROOKIE PD (Toller), 7.9.99 - 8.6.11
für immer und ewig ganz tief in unseren Herzen

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Re: Fleischverhältnis

Beitrag von Hauptstadtpudel » Mi Okt 12, 2016 9:16 pm

Danke für die Links, Corinne.

Ich musste mich ja aufgrund von Bolles Magenaufgasungen einige Zeit intensiver mit dem Thema Ernährung/Verdauung auseinandersetzen.
Bolle wurde als Welpe teilgebarft und bei mir dann nach sehr kurzer Unstellungszeit komplett.
Zweijährig bin ich dann aufgrund seiner Probleme "ausgestiegen".
Ich halte die Rohfütterung immernoch für eine sehr gute Ernährungsweise, aber was hilfts, wenn mein Hund es nicht (mehr) verträgt?

Da stimme ich dem TA absolut zu, es ist eine individuelle Geschichte. Und manch ein Hund(ebesitzer) muss eine Odyssee durchlaufen, bevor sein Konzept gefunden ist und das verändert sich wahrscheinlich dann auch noch mal im Laufe des Lebens.

Meine Freundin hat sehr lange roh gefüttert und ihr Hund hat nicht mit Begeisterung gefressen, ganz besonders morgens drehte er sich regelrecht angewidert weg. Jetzt gibt es Terra pura Menues und er frisst mit Begeisterung - zu jeder Tageszeit.
Im Grunde hat der Hund deutlich gezeigt, was er nicht mag (instinktiv?) - aber man/frau probiert halt lange herum. Im Nachhinein ist ja sowieso manches klarer als im Prozeß der Findung.

Jemand hat mal hier geschrieben, "wenn mein Hund an einem Tag etwas frisst,was er nächsten Tag ablehnt und sich das so oft wiederholt, dann bekommt er halt jeden Tag etwas anderes, weil er es so zu brauchen scheint".

Auch die Über/Untersäuerng ist so ein schwieriges Thema - ich habe bis zum Schluss nicht herausgefunden, unter was von beidem Bolle gelitten hat (wenn überhaupt?).
Behandelt wurde er auf Übersäuerung, zeitweise hatte ich laut Tierklinik gar keine andere Wahl und dabei immer im Kopf, dass ich damit das komplexe Verdauungssystem meines Hundes mit diesem Eingriff massiv beeinflusse und die Gefahr eines Teufelskreises in Kauf nehme.

Im Gesunde-Hunde-Forum ist die Ernährung der Hunde auch ein wichtiges Thema und sehr viele barfen ihre Hunde - aber etliche auch nicht (mehr), immer mit der Begründung, das ihr Hund damit nicht zurechtkam, das nicht gut vertragen hat.
Auch bei den älteren Hunden steigen einige auf Gekochtes (im weitesten Sinne) um.

Ein spannendes und wichtiges Thema.
Liebe Grüße, Katja mit Bolle
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Re: Fleischverhältnis

Beitrag von plüsch » Mo Okt 17, 2016 9:43 am

Naja nur weil man 20% Fleisch und 80% anderes füttert, heißt das ja nicht, dass man unbedingt wenig Fleisch füttert. Kann ja auch sein, dass Hund sehr viel KH bekommt, um sein Gewicht zu halten.

Zur Anschauung:
Meine Hündin bekommt 60% Fleisch und 40% Gemüse und anderes. Würde sie 2% ihres Körpergewichts an Futter bekommen, wären das 100g Fleisch auf 8kg Hund, was nicht wirklich wenig ist, aber sie bekommt insgesamt nur 130g Futter und somit nur 80g Fleisch. Ihr gehts gut damit =)

Frodo bekommt auch nur 60% Fleisch, trotzdem sind das bei ihm 120g Fleisch auf 6kg Körpergewicht. Der Rest ist Gemüse, KH und extra Fett.
Würde ich ihm 300g Futter am Tag geben, weil er zB durch Ausdauersport mehr Energie bräuchte, bekäme er trotzdem nur 120g Fleisch. Das wären dann aber nur 40% Fleisch und 60% anderes.


Was zeigt das? Prozentangaben sagen gar nichts aus.
Liebe Grüße von Resa mit den Plüschis

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Re: Fleischverhältnis

Beitrag von Andy » Mo Okt 17, 2016 12:10 pm

Sehr viele Verdauungsprobleme sind aber auch hausgemacht! Wenn man einem Welpen schnell viele verschiedene Nahrungsmittel anbietet - sei es nun über die volle Dröhnung, die im TF enthalten ist oder über viele Lebensmittel beim Barfen, damit "ja kein Mangel entsteht" - darf man sich eigentlich über Verdauungsprobleme oder Überempfindlichkeiten nicht wundern. Die orale Toleranz muss sich ja auch erst einmal herausbilden.
Liebe Grüße, Andrea mit Majken (geprüfte Behindertenbegleithündin)

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