Sankt Peter mit dem Pudel

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Pudel Peter
Welpen-Nase
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Sankt Peter mit dem Pudel

Beitrag von Pudel Peter » So Jul 12, 2009 5:52 pm

Sankt Peter mit dem Pudel
Legende. Von Leopold Schefer
Esel dulden stumm,
Allzugut ist dumm.
(Lebensregel)

Sankt Peter saß am Himmelstor,
Da winselt es draußen fromm davor,
Doch bescheiden kaum aller sieben Stund'
Zuletzt schwach boll es aus seinem Mund
Und wedelte, wie mit dem Schwanz an die Tür.
Sankt Peter schlummerte für und für,
Jetzt kommen so selten noch Christen herauf;
Da boll es hörbar. Da tat er auf
Und sah gar einen Hund, nicht klein,
Der wollte auch in den Himmel hinein.
Er glaubte, das ist der Edelmann,
Zum Hunde geworden, lobesan,
Und frug ihn barsch: Was willst du hier?
Hier gilt kein strafverhextes Tier;
Wer seinen Himmel auf Erden gehabt,
Wird billig darauf mit der Höllen begabt.

Ach, spricht der Hund, den Himmel nicht -
Ich suche nur meines Herrn Gesicht!
Und da er doch muß im Himmel sein,
Will ich unter seinen Stuhl nur hinein!
Sankt Peter schilt: Ein neu Verlangen!
Gewiß ist dir's bei ihm zu wohl ergangen.
Seinen Namen zu nennen kann dir nicht schaden!

Sie nannten ihn alle nur Ew. Gnaden,
Und immer war er mir, ach, so gnädig!
Von Knochen war mein Bauch nie ledig -
Und hatte mein' eigne Hundehütte
Und jährlich frisches Stroh, eine Schütte.
Mein Halsband war mit Samt gefüttert.
Mein guter Herr! Heil, wer ihn wittert! -

Da sprach Sankt Peter mit sanftem Mund:
O du frommer und getreuer Hund!
Doch sage mir an, du dankbares Tier,
Was hast du auf deiner Nasen hier?
Da glüht eine lange kahle Stelle,
Die starrt so blutrot, wund und helle -
Die Nasen ist gar ein empfindlicher Teil!

Drauf sprach der Hund: Ach Herr, sie ist heil,
Sie heilte von einem Mal zum andern!
Vor langer Weile - unter andern -
Betropfte sie mir mein Herr - nur im Scherze -
Mit brennendem Siegellack, frisch von der Kerze
Und drückte sein adliges Wappen mir drauf;
Dann rief er zum Hochgeehrten: Nun lauf!

Da sprach Sankt Peter: Im Höllenpfuhl
Da sitzet dein Herr wohl auf glühendem Stuhl.
Jed' anderer Hund wär' lange tot -
Ich tue dir auf, denn es tut schier not,
Daß Tiere nun werden im Himmel genommen,
Da endlich so wenig Christen kommen;
Auf jeder humanen Eisenbahn
Ist Tieren ein Kasten aufgetan;
Doch sag' mir erst: Was für ein Hund du bist,
Der so duldend, so stumm - und so dankbar noch ist?

Da verkroch sich der Pudel, als würd' er ihn schlagen,
Und sprach ganz blaß vor Furcht und Zagen:
Ich bin nur ein armer Hund von der Gasse -
Ich bin - verzeiht mir - ein Deutscher von Rasse.

Und so schnell wie der Wolf war er fort und hinaus!
Da schämte sich Sankt Peter und weinte sich aus.
Drauf sah er der Spur nach auf der Stelle:
Ob er seinem Herrn auch folg' in die Hölle?

(1846)

Gefunden in: Kommt, Kinder, wischt die Augen aus, es gibt hier was zu sehen. Die schönsten deutschen Kindergedichte. Gesammelt von Herbert Heckmann und Michael Krüger. München: Carl Hanser Verlag 1974.

Gefunden im Internet

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