Urlaubsfahrt mit Hindernissen

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Annettchen
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Urlaubsfahrt mit Hindernissen

Beitrag von Annettchen » So Aug 26, 2007 1:40 pm

Hallo Freunde,

immer wenn bei uns eine bestimmte Geschäftigkeit ausbricht klingelt es bei mir und meinen Geschwistern und wir wissen: es geht ab in den Urlaub.
Ich verzieh mich dann postwendend in mein Hauptquartier und beobachte von dort aus das Treiben, denn ich will dem ganzen Gesumse – das sei hier mal um klar geäußert - nichts zu tun haben.
Ja früher, da habe ich ja meine Hilfe gelegentlich angeboten, aber wenn man immer nur hört: Jakob geh aus dem Weg, Jakob steh nicht direkt vor der Eingangstür, Jakob lass’ dies, Jakob lass’ das, ja da wird man richtiggehend sauer und kümmert sich eben um nichts mehr.
Dann müssen sie ihre Koffer, Kühltaschen und diverse andere Behälter ohne mich packen und sehen wie sie zu Recht kommen.
Auch an der stundenlangen Suche nach dem Katzennetz habe ich mich nicht beteiligt, obwohl ich genau wusste wo es lag und mich demonstrativ mehrmals dorthin bewegt habe.
Nachdem wir alle, einschließlich der zarten 4-jährigen Enkelin Maria im Auto verstaut waren, ging es los in Richtung Ostsee.
Aber was war das? Wir fuhren einen gewaltigen Umweg und hielten vor einem mir völlig unbekannten Anwesen. Mein Herz schlug gewaltig, da ich den schlimmen Verdacht hatte, dass man mich – man hatte es mir ja mehrmals angedroht – nicht mehr mit in den wohlverdienten Urlaub nehmen und einfach - womöglich hier in der Fremde - zurücklassen würde.
Gott sei Dank wurde nur das „undichte“ Linchen ausgeladen und bei Freunden geparkt. Während der Übergabeakt von statten ging blieben die Autotüren weit geöffnet und ich animierte das Enkelchen meinen Sicherheitsgurt zu lösen. Kaum war das geschehen sprang ich ungemerkt aus dem Auto und inspizierte und bepinkelte erst einmal den schönen großen Vorgarten.
Große Reden schwingend wurde wieder eingestiegen und die Türen vom Auto zugeschlagen, dann brausten das Mannsbild und unser aller Frauchen los – und das, wie sie erst eine ganze Weile später bemerkten, ohne mich.

Selbstredend rannte ich bellend, was die Insassen des Autos ebenfalls überhaupt nicht bemerkten, noch ein wenig hinter dem Auto her. Also machte ich mich auf, Linchens Gasteltern über mein Zurückbleiben zu informieren.
So wurde ich vorübergehend in deren Obhut genommen und man meinte, dass mein Zurückbleiben sicherlich bald bemerkt würde und ich postwendend wieder abgeholt werden würde.

Ziemlich pikiert – die schöne Bella und das Enkelchen hätten ja schließlich auf mein Fehlen hinweisen können – verzog ich mich in eine stille Ecke und wartete auf die Rückkehr der Meinen.
Nach schier endloser Warterei – man sagte mir nachher es seien kaum 10 Minuten gewesen – erschien dann meine Familie und lud mich wieder ein.

Dem Enkelchen und mir wurde energisch empfohlen, uns anständig zu benehmen und fortan den Rücksitz in angeschnalltem Zustand zu hüten, ansonsten uns unerfreuliche Folgen angedroht wurden.

Die Fahrt verlief ruhig und friedlich, bis ein Autofahrer uns laut hupend und gestikulierend auf der Autobahn überholte. Unser Mannsbild ignorierte erst einmal das sonderbare Verhalten des Herrn und setzte seinen Weg unbeirrt fort. Erst als der aufdringliche Herr uns das dritte Mal vorbei fahren ließ, um uns anschließend hupend und winkend zu überholen, entschloss das Mannsbild sich, den nächsten Parkstreifen anzusteuern und zu schauen, was da wohl los sei.

Der Herr hielt direkt hinter uns, sprang aus dem Auto, riss die hintere Tür auf und das Enkelkind – trotz meines lauten Protestes - aus dem Auto. Unser aller Frauchen und das Mannsbild sprangen aus dem Auto um ihm das laut schreiende Kind zu entreißen und erst da sahen sie die Bescherung: unser Auto qualmte und prustete aus allen Ritzen, Ecken und Kanten und drohte jeden Moment in die Luft zu fliegen!

Wir brachten uns alle, einschließlich des fremden Herrn hinter einem Busch in Sicherheit und warteten auf den großen Knall, der – dem lieben Gott sei Dank – ausblieb. Nach einer Weile beruhigte sich unser Auto und das Mannsbild näherte sich ihm vorsichtig.

Wie sich heraus stellte hatte das Mannsbild vor der Fahrt noch Öl eingefüllt und vergessen und Deckel aufzuschrauben. So flog das Öl ungehindert durch den Motorraum, wurde heiß und fing an, zu schmoren und zu qualmen.

Nachdem unser sämtlicher Vorrat an mitgenommenen Papiertaschentüchern, Klo- und Küchenrollen für die Reinigung des Motorinnenraums verbraucht war, konnten wir die Reise nun fortsetzen. Ich habe selbstverständlich unserem Retter herzlich gedankt und ihm mehrmals tüchtig – als er sich bückte um beim Aufheben der zu Boden geworfenen Papiertücher zu helfen - durchs Gesicht geleckt. Scheinbar wollte er gar keinen Dank von mir, denn er bezeichnete mich rüde als „Vieh“ und verbot mir weitere „Attacken“! Da versteh einer die Menschen!

Bei der Weiterfahrt haben wir - das Enkelchen, die Bella und ich - uns entschlossen ein wenig zu ruhen. Auch unser aller Frauchen schien weggenickt zu sein. Doch kurz vor Hamburg schreckte sie heftig auf und suchte wie wild in ihren Taschen herum. Wie sich herausstellte, hatte sie den Schlüssel für die Wohnung zu Hause vergessen und das alles nur, weil diese „furchtbaren Tiere“ – sie meinte uns – mal wieder so unruhig und aufgeregt gewesen seien.

Diese Tiraden hättet Ihr hören sollen! Ich sag Euch, die waren nicht von schlechten Eltern! Ich für meinen Teil habe die Ohren umgeklappt und nicht hingehört. Auch das Mannsbild blieb ruhig und gefasst – hatte ja schließlich selber Dreck am Stecken – und meinte, das Frauchen solle mal keinen Aufstand proben, man könne ja schließlich den Schlüssel von der Putzfrau abholen.

Die solle doch gar nicht wissen, dass wir kommen, sie wolle doch mal sehen ob die Wohnung schön sauber und so weiter und so weiter…. sei, quaatschte unser Frauchen und war den Tränen nahe.

Da wurde das Mannsbild auf einmal sehr resolut und ich klappte Augen und Ohren auf, um ja nichts zu verpassen:
Jetzt ist Schluss mit dem Gejammer, wir fahren jetzt weiter und holen den Schlüssel bei der Putzfrau. Punkt. Ende. Aus. Keine weitere Diskussion.

Also wurde die Putzfrau telefonisch informiert, dass wir in ca. 1 Stunde den Schlüssel holen würden und so konnte die Reise weiter gehen.

Leider war hinter Hamburg die Autobahn wegen Arbeiten gesperrt und so mussten wir eine Umleitung fahren, die unser Navi nicht kannte. Und da – laut dem Mannsbild, welches Straßenplaner ist – alles total falsch und schlecht ausgeschildert war, fuhren wir dann ca. 1,5 Stunden lang immer im Kreis herum.

Mehrmals zwischendurch wurde die Putzfrau über späteres Eintreffen informiert. Gott sei Dank hat jede Irrfahrt einmal ein Ende und so kamen wir dann fast 3 Stunden später – selbstverständlich zu nachtschlafender Zeit – an, um den Schlüssel zu holen.

Unsere Irrfahrt wurde natürlich peinlich verschwiegen und die 3 Stunden Verspätung wurden mit „der Hund musste andauernd pinkeln“ und „das Kind musste mal aufs Klöchen“, „wir haben noch einen Imbiss eingenommen“, etc., entschuldigt. Ich wollte die Sache richtig stellen indem ich versuchte einen ordentlichen Bach vor die Haustür zu pinkeln, wurde jedoch daran gehindert und so steht bis heute im Raum, dass der „Hund“ - hier war eindeutig ich, Jakob der Königspudel gemeint - mal wieder maßgeblich an allen Verspätungen, etc. die Schuld trägt.

Ich schwöre Euch, es war das erste mal, dass wir für 350 km fast 8 Stunden gebraucht haben, aber wir sind angekommen und hatten einen schönen Urlaub!
Liebe Grüße
von Jakob, seinen Geschwistern und unser aller Frauchen.

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am Tag nach der Ankunft

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Im Sand mußte ich liegen!

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und so fand die schöne Bella unseren Urlaub!

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dogfighter
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Beitrag von dogfighter » So Aug 26, 2007 2:26 pm

Klasse
Ein Tag ohne Pudel ist ein verlorener Tag.
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Lockenwolf
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Beitrag von Lockenwolf » So Aug 26, 2007 4:47 pm

OOOOOOOOOOOh wie schön geschrieben ... ich war fast live dabei ... :lol: :D


Klasse :klatsch:
Liebe Grüsse von Katrin und den beiden Lockenwölfen Luna und Freddy
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Bärbelchen
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Beitrag von Bärbelchen » So Aug 26, 2007 5:30 pm

schön geschrieben
DANKE

:D :D :D :D :D :D
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Viele Grüße Bärbel

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Ellen
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Beitrag von Ellen » So Aug 26, 2007 7:53 pm

Hab mal wieder herzhaft gelacht.

Schöne Geschichte, so richtig aus dem Leben gegriffen.

LG Ellen
Die Treue eines Hundes ist durch nichts zu ersetzen

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