Einkreisen

Alles rund um die Erziehung.
Antworten
Gartenfee
Einsteiger-Nase
Beiträge: 24
Registriert: Mi Mai 10, 2017 10:12 am

Einkreisen

Beitrag von Gartenfee » Mo Nov 13, 2017 11:48 am

Hallo Ihr Lieben,

ich muss mal wieder um Rat fragen. Ich habe nicht viel zu diesem Thema im Internet gefunden und wenn dann nur in der Sparte Jagd- oder Hüteverhalten. Da unser Pü mal irgendwie so gar kein Jäger ist und mir auch neu wäre, dass Pudel zu den Hütehunden zählen, bin ich ziemlich ratlos.
Unsere Yoko umkreist mich ständig bei Spaziergängen. Sie läuft ein Stück vor, dreht dann um, läuft hinter mir vorbei um dann wieder nach vorne zu gehen. Das wiederholt sich in sehr kurzen Abständen so dass sie nur damit beschäftigt ist vor und zurück zu laufen. Schnuppern tut sie so gut wie gar nicht. Sie hat mich ständig im Blick. Jetzt denken andere vielleicht Hey ist doch super...nein ist es leider nicht. Ihr Verhalten wirkt nicht normal, es hat was zwanghaftes und sie ist auch gestresst dabei. Ich bin mittlerweile auch mittelmäßig genervt, weil das einfach kein entspanntes Spazierengehen ist. Ich hab ihr das Bringen des Futterdummys beigebracht und wende das auch zwischendurch an. Am Anfang nur weil ich es einfach schön finde wenn Hunde etwas holen können. Später fand ich es unheimlich wichtig an der Impulskontrolle zu arbeiten, also lasse ich sie vorher absitzen usw. Im Moment mache ich dieses Dummytraining nur noch, um sie zumindest kurzzeitig aus dem Umkreisen rauszuholen. Gehen wir weiter, geht das Umkreisen aber wieder los.
Vielleicht hat ja einer eine Idee dazu. Nur nochmal zur Erinnerung: wir haben sie Anfang des Jahres aus schlechter Haltung geholt, wo sie eigentlich nur im Haus und auf dem Hof gehalten wurde. Sie ist jetzt 2,5 Jahre alt. Wir haben viel trainiert und bis auf das Alleinsein und das oben beschriebene Verhalten, haben wir auch echt viel geschafft. Mit ersterem hat sie halt nach wie vor arge Probleme, weil das etwas ist, was ich auch schlecht mit ihr üben kann. Vielleicht gibt es ja Zusammenhänge, deswegen habe ich das hier nochmal erwähnt.
Wenn ich mit mehreren Hunden bzw. Menschen spazieren gehe, zeigt sie ein ähnliches Verhalten nur dass sie nicht mehr nur mich umkreist sondern von vorne einmal quer mitten durch nach hinten läuft. Der Letzte wird umrundet und dann geht's wieder nach vorne. Ich habe dann diese Gassirunde erstmal eingestellt (obwohl ich das sehr schade finde) weil sie danach so gestresst war, dass sie kaum noch ansprechbar war. Alle Hunde wurden auf dem Weg zum Auto angeleint und waren glücklich und zufrieden. Aber Yoko fiepte ständig, konnte nicht mehr ruhig neben mir laufen also war nach dem Gassigang aufgeregter als vorher. :n010:

Rohana
Supernase
Beiträge: 5158
Registriert: So Jul 25, 2010 11:08 pm
Wohnort: Pfalz - GP Kaba + BorderSetterMix Padge

Re: Einkreisen

Beitrag von Rohana » Mo Nov 13, 2017 12:42 pm

Nach dem was Du beschreibst hört sich das für mich schon so an, als hätte sie einfach Angst, dass Du ihr wieder abhanden kommst. Also 'hütet' und bewacht sie dich (oder auch die Gruppe, in der sie unterwegs ist). Wenn das wirklich so ist, könnte ich mir vorstellen, dass verschiedenste Übungen zum Alleinbleiben, zum Thema 'keine Angst vorm Verlassen werden' mit der Zeit helfen werden. Auch wird sie sich nach und nach immer sicherer sein, dass eure Beziehung hält und dann auch freier werden (wenn ihr daran arbeitet und übt).

Einige Trainingsideen (sowas ist ja aus der Ferne immer schwierig, daher nur Vorschläge, aus denen ihr dann auswählen solltet was für euch und eure Situation passt):
- Im Haus den Hund immer wieder in einem Raum allein lassen, kurz rausgehen, wiederkommen. Das sollte ganz ohne Aufhebens, eben als selbstverständliche Begebenheit ständig passieren. Yoko soll sich daran gewöhnen: die Menschen gehen weg und kommen sicher immer wieder. Dann die Zeiten der Abwesenheit ausdehnen.
-Yoko mal wirklich körperlich und geistig so lange auspowern, bis sie heilfroh ist, dass sie endlich schlafen darf. Und dann (ebenfalls ohne Trara) mal gehen. Sie soll die Ruhe als angenehm, als willkommene Pause empfinden.
- Wenn ihr mal mit dem Auto zu einem Spaziergang aufbrecht: parke so, dass es noch ein Stück zu laufen ist, bis ihr im Wals/Feld ankommt (entferntestes Ende vom Parkplatz). Wenn ihr wieder zurück kommt binde Yoko am Waldrand an, geh zum Auto und schließ schon mal die Tür auf. Dann geh zurück und hol Yoko. Sie soll sehen: du gehst und kommst doch immer verlässlich wieder. Dabei brauchst du gar nicht außer Sicht gehen. Das solltest Du dann wirklich über längere Zeit regelmäßig so handhaben.
- Auch während des Spaziergangs immer mal ein Stück von Yoko weggehen. Egal ob sie dabei frei abliegt oder ob du sie anbindest.
- Und ich würde versuchen, Yoko so weit möglich per Kommando, Handzeichen, Körpersprache an diesem Umkreisen zu hindern. Schick sie wieder vor. Oder verlange von ihr, dass sie hinter dir bleibt. Sobald sie versucht, in die Umkreisung zu gehen: sitz oder zurückschicken oder anleinen. Da würd ich rumprobieren was am besten funktioniert.
Anfangs ist das sicher utopisch, das für den gesamten Spaziergang so zu halten. Entweder du definierst Übungszeitfenster, in denen du konsequent bist und sagst, dass sie die übrige Zeit 'frei' hat. Dann werden die Zeitfenster nach und nach erweitert und das 'frei' abgebaut. Oder du sagst, dass sie jetzt mal für einige Zeit konsequent übt ohne Umkreisen klar zu kommen und die übrige Zeit an der Leine ist (also auch ohne Umkreisen). Auch hier musst Du sehen, wie ihr vor Ort am besten klar kommt.

Das wären meine spontanen Ideen - vielleicht ist ja was für euch dabei?!
Liebe Grüße von
Christiane, Padge und Kaba

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Bild~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Benutzeravatar
Aurelia
Riesen-Nase
Beiträge: 2005
Registriert: So Sep 20, 2009 3:19 pm

Re: Einkreisen

Beitrag von Aurelia » Mo Nov 13, 2017 1:25 pm

Dieses Verhalten hat meine Phoebe auch gezeigt. Wir haben sie letztes Jahr mit geschätzt 4 Jahren aus dem Tierheim geholt. Sie war vollkommen vernachlässigt und dann im Wald ausgesetzt worden, daher ist ihre Vergangenheit unbekannt. Ich kann nur zu gut nachvollziehen, wie sehr einen dieser "Tick" nerven kann und der angespannte Hund einem leid tut. Am Anfang lief Phoebe nur an der Leine und ich habe permanent die Leine vor und hinter meinem Rücken durchwechseln müssen, da sie auch mit Leine dauernd "kreiselte". Wir haben zum Glück schnell eine stabile Verbindung und Beziehung aufgebaut und das ständige Umkreisen ging dadurch sehr zurück. Gehe ich heute (1 1/2 Jahre später) mit ihr und meinem Pü-Rüden Caesar alleine spazieren, ist sie entspannt, schnuppert, läuft vorneweg oder auch mal hinterher und hat Spaß. Geht jedoch jemand anders mit, alleine oder - schlimmer noch - mit einem Hund, geht das Umkreisen direkt wieder los und ich sehe auch, dass sie gestresst ist. Sie braucht dann einige Zeit, um "runterzukommen" und kann dann auch wieder entspannen. Ich habe trainingsmäßig versucht, dass Umkreisen durch Abblocken und Vorweg-Schicken in den Griff zu bekommen, aber bei Phoebe war das kontraproduktiv. Dadurch wurde sie nur umso verunsicherter. Wir haben dann Hintendran-Laufen geübt und das funktioniert besser. Aber ich würde sagen, dass Zeit, Geduld und Vertrauen aufbauen bei uns am meisten gebracht haben. Du hast ja von Rohana schon viele gute Tips bekommen und kannst ja mal ausprobieren, ob da was für euch beide "passt".
Liebe Grüße von Aurelia mit Caesar und Phoebe

Gartenfee
Einsteiger-Nase
Beiträge: 24
Registriert: Mi Mai 10, 2017 10:12 am

Re: Einkreisen

Beitrag von Gartenfee » Mo Nov 13, 2017 3:20 pm

Vielen Dank! Es ist wahnsinnig beruhigend zu hören, dass es uns nicht alleine so geht!! Aber wenn du das so beschreibst, dann macht es mich ganz schön betroffen. Ich hätte nicht gedacht, dass es so "schlimm" ist. Aber deine Phoebe zeigt das Verhalten ja 1:1. Laufen an der Leine verhielt sich genauso aber das habe ich einfach durch die bessere Kontrolle gut in den Griff bekommen. Vorschicken bzw. abblocken führen bei uns auch dazu, dass sie sehr verunsichert und dann nur noch schleichend hinter mir herläuft oder sie einfach nur noch "zu" macht und sich hinsetzt. Generell habe ich das Gefühl, sie ist mit der Situation überfordert vorzulaufen. Ihr Bewegungsdrang führt sie zwar nach vorne aber so richtig weiß sie nichts damit anzufangen. Ähnlich verhält es sich bei Hundebegegnungen. Wenn sie zu einem Hund hinlaufen durfte (ich hab es ihr erlaubt weil sie keinerlei Aggression etc. gezeigt hat) dann fror sie dort ein und ich brauchte meistens nur bis 2 zählen dann zeigt sie immer eine dermaßen übertriebene Übersprunghandlung (sprich Beine in die Hand und los) dass alle Beteiligten nur stirnrunzelnd zurückblieben. Sobald ich das nicht mehr erlaubte und andere Hunde höchstens mal zu uns durchkommen, ist sie viel ruhiger und entspannter.
Ich werde wohl wirklich an dem Grundvertrauen arbeiten müssen. Ihr habt ja auch ein paar Übungen genannt. Das hört sich für andere Hundehalter wahrscheinlich total leicht an, aber für Yoko ist das eine ziemliche Herausforderung. Aber die Dinge mit dem Anleinen und Weggehen kann ich gut üben. Und obwohl sie uns Zuhause nicht mehr in andere Zimmer folgt, muss da auch noch wahnsinnig viel geübt werden, bevor ich daran denken kann sie so richtig alleine zu lassen. Das musste zwar schon mal sein, aber das war nicht schön. Für alle Beteiligten.
Gestern Abend war sie gezwungen sich im Flur aufzuhalten, weil wir spät nach Hause gekommen sind und erstmal die Kinder bettfertig gemacht haben. Ich habe dann einfach versäumt die Tür zum Wohnzimmer aufzumachen...sie hat dann wirklich eine halbe Stunde im Flur gestanden, weil das für sie eine neue Situation war und sie nicht wusste was sie machen soll.

Rohana
Supernase
Beiträge: 5158
Registriert: So Jul 25, 2010 11:08 pm
Wohnort: Pfalz - GP Kaba + BorderSetterMix Padge

Re: Einkreisen

Beitrag von Rohana » Mo Nov 13, 2017 4:04 pm

Als Padge zu mir kam hatte er auch lange Zeit Angst, dass ich ihn verlassen/aussetzen würde. Das Urvertrauen, das die Welpen eigentlich bei Mutterhündin und Züchter aufbauen sollten/können, fehlte ihm völlig. Er wurde ausgesetzt kaum dass er selbstständig fressen konnte. Und danach war er an drei verschiedenen Stellen, dabei an den ersten beiden ohne echte Bezugsperson, ehe er zu uns kam. Dass da Urvertrauen und Sozialverhalten insgesamt kaum vorhanden sind - wen wundert's?!
Ich hab sicherlich ein halbes Jahr täglich diese Aktion mit Anbinden am Parkplatz gemacht. Damals hatte ich drei Hunde und da sah das so aus: Wir kommen aus dem Wald, ich binde alle drei an, gehe zum Auto und öffne es. Ich gehe zurück, hole den ersten Hund und setz ihn ins Auto. Ich gehe zurück, hole den zweiten Hund und setz ihn ins Auto. Und dann geh ich zurück und hole Padge. Wenn er sich ruhig verhalten hat bekam er Zuspruch, Leckerli. Hat er gepiepst oder sonstwie Theater gemacht, bekam er keine Aufmerksamkeit von mir. - Das war sehr mühsam und ist mir damals sehr schwer gefallen, aber letztlich hat es ihm geholfen.

Außerdem brauchte er ganz viele Übungen zum Thema 'wie komme ich runter'. Also: wildes Spiel, danach gleich ins Platz oder eine andere Ruheübung. Oder sich neben mich legen und kraulen lassen. Also das war nicht so ein 'militärischer Drill' wie es sich vielleicht anhört. Das ging immer in kleinen Schritten, mit Ruhe und Geduld. Man kann das nicht zwingen im Sinn von 'wenn Du nicht liegen bleibst drück ich dich runter'. Aber man muss beharrlich dran bleiben. Steht der Hund 1000 mal wieder auf, dann muss man ihn 1001 mal wieder genau an seinen Platz zurückbringen. Dabei ruhig und liebevoll bleiben. Und bei jeder kleinen Besserung in Richtung ruhigem Verhalten niemals das Lob vergessen.

Vieles von Padges 'Macken' hat sich mit den Jahren gelegt. Aber es gibt auch heute noch Situationen, wo er mehr Anlehnung, mehr Hilfen braucht als andere. Ich wünsch Dir ganz viel Geduld, Liebe und Ruhe - die braucht man mit solchen armen Seelchen. Und dazu das richtige Gespür wann man trotz allem Mitleid konsequent sein muss. :streichel:
Liebe Grüße von
Christiane, Padge und Kaba

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Bild~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Benutzeravatar
Aurelia
Riesen-Nase
Beiträge: 2005
Registriert: So Sep 20, 2009 3:19 pm

Re: Einkreisen

Beitrag von Aurelia » Mo Nov 13, 2017 5:06 pm

Gartenfee hat geschrieben:
Mo Nov 13, 2017 3:20 pm

(...) dass sie sehr verunsichert und dann nur noch schleichend hinter mir herläuft oder sie einfach nur noch "zu" macht (...)

Ja, das Verhalten kenne ich nur zu gut. Und das Pü tut einem dann so leid, weil es aussieht wie ein Häufchen Elend, dem gleich der Kopf abgerissen wird. Phoebe reagiert auch sehr sensibel auf das kleinste Anzeichen von "Druck". Muss ich sie z.B. draußen doch mal unvorhergesehen plötzlich anleinen und bewege mich etwas schneller auf sie zu als sonst, dann kann ich damit rechnen, dass sie sich auf den Rücken wirft...wer weiß, was sie da früher erlebt hat... :( Dabei ist sie im Prinzip kein ängstlicher Hund, sondern hat eine gute Umweltsozialisation und geht unbekannte Dinge offen an. Aber bei der Sozialisation mit Artgenossen ist mit Sicherheit einiges schief gelaufen, wenn so etwas überhaupt passiert ist. Da erinnert sie mich an deine Yoko: sie will zwar hin zu anderen Hunden, weiß dann aber nicht, was sie da machen soll. Aber ich finde es toll, dass du mit ihr schon erfolgreich die Dummyarbeit eingeführt hast. Das ist doch schon mal eine schöne, gemeinsame Beschäftigung... :klatsch:

Gartenfee hat geschrieben:
Mo Nov 13, 2017 3:20 pm

Generell habe ich das Gefühl, sie ist mit der Situation überfordert vorzulaufen.

Hast du die Möglichkeit vielleicht mal eine/n kompetente/n Hundetrainer/in "drüberschauen" zu lassen. Ich habe das gemacht, weil ich wissen wollte, ob meine charakterliche Einschätzung von Phoebe richtig war. Die Trainerin hat mir bestätigt, dass Phoebe eher zur Familie der Kontrolettis gehört, die alles regeln wollen bzw. früher regeln mussten, weil es Herrchen/Frauchen nicht gemacht haben. Bei Phoebe war und ist der Trainingsweg daher, ihr klarzumachen, dass ich eine vertrauenswürdige Führungsperson bin und sie gar nichts zu regeln braucht, weil ich das für sie übernehme. Das hat durchaus Fortschritte gebracht, aber wir arbeiten weiter dran, denn manchmal "vergisst" sie unsere neue Konstellation doch mal wieder... :wink:

Rohana hat geschrieben:
Mo Nov 13, 2017 4:04 pm

Ich wünsch Dir ganz viel Geduld, Liebe und Ruhe - die braucht man mit solchen armen Seelchen. Und dazu das richtige Gespür wann man trotz allem Mitleid konsequent sein muss. :streichel:

Dem möchte ich mich genau so anschließen. Bei manchen Hunden platzt nach einiger Zeit im neuen, liebevollen Zuhause vielleicht der Knoten und sie können den "Ballast" der Vergangenheit abwerfen, aber bei anderen kann man die schlimmen Dinge, die sie erlebt haben, nicht mehr komplett revidieren. Und trotzdem ist das irgendwann egal, denn dafür zeigen sie uns so viele andere tolle Verhaltensweise und schenken uns liebevolle, dankbare Momente, die alles andere mehr als aufwiegen. Ich für meinen Teil sage immer: Ich hatte drei Wünsche an meinen Tierschutzhund und meine kleine Wollfee Phoebe hat sie alle erfüllt: sie schmust super gerne, hat keinen Jagdtrieb und lässt sich sehr gut abrufen...also eigentlich perfekt... :D


P.S.: Falls es dich interessiert, kannst du hier viewtopic.php?f=2&t=17561 die Geschichte von Phoebe nachlesen... :D
Liebe Grüße von Aurelia mit Caesar und Phoebe

Gartenfee
Einsteiger-Nase
Beiträge: 24
Registriert: Mi Mai 10, 2017 10:12 am

Re: Einkreisen

Beitrag von Gartenfee » Mo Nov 13, 2017 9:16 pm

Rohana hat geschrieben:
Mo Nov 13, 2017 12:42 pm
Nach dem was Du beschreibst hört sich das für mich schon so an, als hätte sie einfach Angst, dass Du ihr wieder abhanden kommst.

Ich bin mir nicht so sicher ob ihr Verhalten angstmotiviert ist. Ich schrieb hier auch schon in einem anderen Thread dass sie mir im Garten ständig hinterherläuft. Schicke ich sie weg, weil mir das auf kurz oder lang einfach auf den Senkel geht, habe ich eine Hundestatue, die mich von der anderen Seite des Gartens beobachtet. Dann versucht sie es noch 1-2 Mal doch irgendwann gibt sie auf und legt sich ab. Dann sieht sie auch recht entspannt aus und rollt sich ein. Das ist auch das, was ich mir ständig vor Augen führe. Sie hat in einem Haus gelebt, wo es keine Regeln und Konsequenzen gab. Sie durfte auf Tische und Stühle und hat gelernt Menschen zu manipulieren. Eine ihrer ersten Amtshandlungen hier war es essen aus der Küche zu stehlen...Sie wurde nicht ausgesetzt und mit ziemlicher Sicherheit auch nicht geschlagen oder misshandelt. Nein, im Gegenteil: sie war eine von den Lieblingen und ihr wurden nie Grenzen gesetzt. Und das bei totaler Isolation. Was bekommt man dann? Einen Hund der denkt er wäre der Mittelpunkt des Universums. :frech:
Sie bekommt das Futter z.B. nicht mehr im Haus aus einem Napf. Dann hätte ich keine Ruhe mehr. Sie fordert das regelrecht ein, starrt mich unentwegt an, schmatzt und springt auf sobald ich mich bewege. Auf den Platz schicken ist das einzige, was da irgendwie Abhilfe schafft. Also muss sie sich ihr Futter erarbeiten. Hab einen Futterball, den erwähnten Dummy, Hütchenspiel kann sie mittlerweile auch und manchmal verteile ich das Futter einfach im Garten. Dann muss sie endlich mal ihre Nase benutzen was sie sonst nie macht. Nun ist es natürlich so, dass sie ganz genau weiß wann ich mich auf den Weg zur Arbeit mache und sie steht schon vorne am Tor bereit (wenn sie noch im Garten war). Habe ich aber eine halbe Stunde zuvor ihr Futter verteilt, ist weit und breit nichts zu sehen von Madame, trotz Türen schlagen usw. Also von Angst Allein zu sein ist da nicht viel zu spüren.
Dann drängelt sie sich auch gerne dazwischen wenn ich andere Hunde streichle, überhaupt ist sie sehr aufdringlich was das streicheln angeht. Zumindest bei uns ist das aber besser geworden. Sie hat aber einfach gelernt am Ball zu bleiben.
Beim Spaziergang weiß ich mir aber einfach keinen Rat mehr. Ich kann es nicht erklären aber ich fühle mich bevormundet :D dazu kommt ja noch dieses ständige Anstupsen, habe ich oben vergessen zu erwähnen. Beim vorbeilaufen stupst sie immer wieder meine Hand an.
Ich habe vor kurzem ein Video von Maja Nowak gesehen und dort hat das ein junger Hund gemacht ( er ist ständig hin und hergerannt weil er das Rudel zusammenhalten wollte und das Stupsen war Maßregeln oder bestätigen je nach Handlung) der dann angeblich ein zentraler Leithund war. Ich musste ja irgendwie Lachen bei dem Gedanken dass unsere Yoko ein Leithund sein könnte.

Rohana
Supernase
Beiträge: 5158
Registriert: So Jul 25, 2010 11:08 pm
Wohnort: Pfalz - GP Kaba + BorderSetterMix Padge

Re: Einkreisen

Beitrag von Rohana » Mo Nov 13, 2017 10:46 pm

Tja, da siehst Du wie es geht wenn man nur eine kurze Beschreibung hat, so ein wenig aus dem Zusammenhang dessen gerissen was Du schon an anderer Stelle von Yoko berichtet hast. Ich ordne das 'natürlich' in meinem Weltbild ein, das durch Padge, seinen Werdegang und seine Macken geprägt ist. Was Di jetzt erklärt hast klingt tatsächlich weniger nach Verlassensangst als nach Kontroletti. Auch nicht schön :mrgreen: . Wobei ich glaube, wenn der Kontroletti wie Deine Yoko in eine neue Umgebung kommt, und dort von Beginn an feste Regeln gelten, wenn man ihr zeigt, dass man sich auf ihre Spielchen nicht einlässt, dass man es dann ein bisschen leichter hat als bei einem Hund, der vor allem möglich und unmöglichen Angst hat. Zumal wenn er dazu neigt aus Angst oder Unsicherheit auch mal die Zähne zu gebrauchen. Aber letztlich hat jede Baustelle ihre eigenen Schwierigkeiten... :roll:
Liebe Grüße von
Christiane, Padge und Kaba

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Bild~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Gartenfee
Einsteiger-Nase
Beiträge: 24
Registriert: Mi Mai 10, 2017 10:12 am

Re: Einkreisen

Beitrag von Gartenfee » Di Nov 14, 2017 7:13 pm

Rohana hat geschrieben:
Mo Nov 13, 2017 10:46 pm
Wobei ich glaube, wenn der Kontroletti wie Deine Yoko in eine neue Umgebung kommt, und dort von Beginn an feste Regeln gelten, wenn man ihr zeigt, dass man sich auf ihre Spielchen nicht einlässt, dass man es dann ein bisschen leichter hat als bei einem Hund, der vor allem möglich und unmöglichen Angst hat. Zumal wenn er dazu neigt aus Angst oder Unsicherheit auch mal die Zähne zu gebrauchen. Aber letztlich hat jede Baustelle ihre eigenen Schwierigkeiten... :roll:
Da hast du natürlich recht. Vor 6 Jahren hatten wir schon mal einen Hund aus dem Tierheim. Uns wurde versichert, dass sie zwar ängstlich ist aber nie was tun würde. Tja, ein Jahr, viel Training und drei Schnapper später haben wir uns entschieden sie wieder zurückzugeben. Da war ich mit meinem 1.Kind schwanger. Es fiel uns unheimlich schwer, zu uns war sie wie ein Lamm aber sie hatte eine ausgeprägte Angstaggression. Wenn sie sich bedroht fühlte ging sie ohne Vorwarnung ans Eingemachte. Ich könnte immer noch platzen wenn ich an dieses Tierheim denke! Und selbst dann wurde sie wieder als völlig normaler Hund angepriesen. Weder über ihre Schilddrüsenunterfunktion ( die nach einigen TA Besuchen diagnostizert wurde) noch über ihre Angstaggression wurde ein Wort verloren. Dieser Hund dürfte nicht zu unerfahrenen Menschen oder gar Familien mit Kindern aber das war dem Tierheim offensichtlich egal. So viel zum Tierschutz.

Ich bin auf jeden Fall heilfroh, dass Yoko keinerlei Aggression zeigt. Aber das war mir auch super wichtig als wir sie geholt haben. Die ganzen Baustellen hab ich hingenommen aber hätte sie an dem halben Tag, den wir sie ausgeführt haben, nur einmal geknurrt, hätte ich sie dagelassen. Gebranntes Kind halt

Rohana
Supernase
Beiträge: 5158
Registriert: So Jul 25, 2010 11:08 pm
Wohnort: Pfalz - GP Kaba + BorderSetterMix Padge

Re: Einkreisen

Beitrag von Rohana » Di Nov 14, 2017 10:46 pm

Oh je, solche Tierheime braucht man wirklich nicht. Damit ist doch niemandem gedient :bekloppt: .
Padge ist GsD innerhalb der Familie absolut verlässlich - ich hatte nie auch nur die geringste Sorge, dass er uns/den Kindern gegenüber die Zähne einsetzt. Aber wenn fremde Menschen in irgendeiner Weise für ihn 'komisch' sind, die falsche Mütze auf haben, ein ungewöhnliches Bewegungsmuster haben, selbst unsicher/ängstlich sind oder so etwas, dann ist immer Vorsicht geboten.
Im Kontakt mit fremden Hunden braucht er eine sehr große Individualdistanz und viel Zeit. Letztlich kann ich ihn mit der nötigen Zeit und Ruhe aber an die meisten Hunde gewöhnen. Das ist im Freundeskreis wichtig. Und um Fremde kann man ja einen Bogen machen.

Nach dem was Du da erlebt hast kann ich aber verstehen, dass es dir um so wichtiger war, das Yoko gerade diese Baustelle nicht hat.
Liebe Grüße von
Christiane, Padge und Kaba

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Bild~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Benutzeravatar
Isi
Zwerg-Nase
Beiträge: 848
Registriert: Fr Dez 13, 2013 8:36 am
Wohnort: Hamburg

Re: Einkreisen

Beitrag von Isi » Do Nov 16, 2017 11:13 am

Ich würde das Einkreisen zu unterbinden versuchen, denn ich denke, es pusht sie nur mehr und wirkt selbstverstärkend. Ich würde sie anleinen oder auch hinter mir herlaufen lassen, wenn du das per Kommando bzw. Körpersprache hinbekommst. Ich würde sie auch angeleint in der großen Hunderunde mitnehmen.
Was mir auch noch dazu einfällt ist: Alternativverhalten anbieten. Also nicht nur "nein", sondern: Was soll sie stattdessen tun?
(ZB sieht man öfter, dass ein Hund etwas im Maul trägt beim Spaziergang; damit haben sie einen "Job" und betrachten die Umwelt gelassener, springen nicht mehr auf alles an. - Muss man aber abwägen, so einen "Schnuller", gibt auch Gegenargumente.)

Parallel dazu würde ich über eine körperliche Auslastung nachdenken, bei der sie das Adrenalin los wird, zB jeden 2. Tag Rad fahren oder 1 Std. Freilauf ("pesen") am Tag, ggf. mit einem Rennfreund, mit dem das gut klappt.
Stress addiert sich sonst.

Und ich würde auch über eine Trainerberatung nachdenken. Müssen ja nicht viele Stunden sein. Eine Diagnostik, was los ist mit dem Hund und wie du sie am besten behandelst, damit sie weniger gestresst ist und besser ihre Rolle findet in eurem Hunde-Menschen-Team (das Einkreisen/Anstupsen ist und macht Stress in meinen Augen, ebenso das Kontrollieren zu Hause). Dann bekommst du "Hausaufgaben" und kannst dich wieder an den Trainer wenden, wenn du ein Feedback brauchst.
Du lebst einfach noch lange mit dem Hund zusammen und wenn es leichter gehen könnte für euch beide, warum nicht? :)
Es ist ein komplexes Verhalten, das ist schwer hier im Forum zu beurteilen. Du merkst ja auch, dass es schnell weitere Erklärungen braucht, mehrere Situationen umfasst...

Antworten

Zurück zu „Allgemeines zur Erziehung“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast